Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Das erste Buch des Chassidismus
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 64 (sequence 3)
- Language
- German
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64 Dieses Buch, welches das erste des bes cht ia nis che nXha s - sidismus war, kämpfte den Kampf des Chassidismus gegen den Rabbinismus und dessen Führer, die Rabbiner. Da es in Maren und schlichten Worten den Chassidismus zu popularisieren versuchte, erregte es Zorn und Aergernis unter den Mithnagdim. Jene, die sich auf den nahen Untergang des Chassidismus freuten, mussten sich an diesem Buche über, zeugen, dass die von ihnen verhasste Bewegung voFler Kraft «und Lebensfrische, voller Entwicklungsmöglicftkeit war, Ein Gedanke, der ein solches Riesenwerk, wie die „Toldoth Jakob Joseph" erzeugen konnte, konnte nicht eitel Gerede sein, das man mit Bann und Spott aus der Welt schaffen könnte. : Obwohl der Verfasser die Namen der Rabbiner nicht direkt erwähnte, enthielt das Buch doch in Form von Anspielungen und Andeutungem ~ eine scharfe Kritik des Rabbini&mus seiner Zeit, welche die Rabbiner tief verletzte. Es wurde ihnen nunmehr klar, dass der Chassidismus, den sie bis jetzt unermüdlich verfolgten, nun ihr strenger Verfolger war. Sie fanden in diesem Buche eine Leugnung und Zerstörung jener Art Judentum, die ihnen heilig war, und sie erblickten in seinem Verfasser einen grösseren und gefährlicheren Feind, als im „Prediger'' von; (Mesi ritsch. Das Buch erschien ihnen als ein mächtiges Mittel zu Propaganda chassidischer Lehren, da es ja in Tausenden von Exemplaren diese Lehren in die entlegensten Ortschaften jüdischer Siedelung trug. Wenn der Chassidismus früher nur eine „Geheimlehre" war, die nur den auserwählten Getreuen des Chassidenbundes zugänglich sein konnte, wurde er jetzt dem ganzen Volke bekannt g^g^ben. Der Name des Beseht, welcher früher nur sehr wenig und höchstens als berüchtigter Wundertäter bekannt war, wurde durch das Buch „Toldoth Jakob Joseph'' berühmt. Der Verfasser erwähnt ihn beinahe dreihundert Mal als seinen Lehrer (Mori), in dem der Leser einen von den höchsten theoretischen und sittlichen Ideen beseelten Mann kennen lernt. Ja, Beseht figuriert in diesem Werk als ein erhabener und heiliger Geist. Es erzählt, wie die Seele des Beseht in den Himmel stieg, wie sie dort den; Engel Michael, den „grossen Verteidiger Israels" erblickte, der durch seine Fürbitten „alle Schuld Israels in Verdienst zu verwandeln verstand".2) In seinem Werke beantwortet R. Jakob-Joseph die allgemein verbreitete Frage: Bei wem lernte Beseht und von wem empfing er die Geheimnisse der Tora? „Der Meister meines Lehrers, seligen Andenkens, Eiger verbot den Gebrauch dieser Talmudausgabe. Diesem Beispiel folgte eine ganze Reihe anderer talmudischer Autoritäten, die alle für die Ehre fcics Gaon von Wilna eiferten. Das Ereignis erregte seinerzeit grosses Aufsehen unter der Judenschaft in Russland. Die Söhne des R. Mosche, die bekannten „heiligen Brüder aus Slawita" setzten die Arbeit ihres Vaters fort. Sie wurden später von den „Aufklärern" (Maskiüm) 'denunziert, weil sie sieh weigerten, profane Bücher zu drucken. Weitere chassidische Druckereien bestanden in Nemirow und Mt-dzibosh. Diese Verleger pflegten die bei ihnen erscheinenden Bücher nicht, wie es althergebrachter Brauch war, mit Empfehlungsschreiben berühmter Rabbiner, sondern mit Geleitworten der Zaddikim zu veröffentlichen. s) Toldoth, am Ende.