Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Das erste Buch des Chassidismus
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 66 (sequence 5)
- Language
- German
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66 Michel aus Slotschow erschien an jenem Tage in der oberen Welt» er weinte und sprach: „Dem, auf dessen Wort die Welt entstand, inuss es ja bekannt sein, dass Rabbi Joseph sein Buch nicht um seiner, des Menschen, sondern um Gottes Ehre wegen geschrieben hat". Hernach stieg R. Jakob-Joseph selber „in den Tempel" und schrie und weinte und jammerte, weil man sein Buch verbrennen wollte. Schliesslich hörte man ein« donnernde Stimme, denn die ganze Welt war dieser Stimme voll, und die Stimme rief: „Machet frei den Weg! Der Beseht kommt in den Tempel". Der Meister selber kam, um für das Schicksal des Buches zu beten, welches, von seinem Schüler verfasst, seine Lehren verbreiten sollte. Das Buch „Toldoth Jakob-Joseph" hat den Mithnagdim gezeigt, dass sie -es Im Chässidisnms mit einem neuen, religiösen System zu tun haben, mit einer Lehre, die je weiter je mehr die, Herzen des Volkes gewinnt und sich in dessen Leben einen mächtigen Pratz erringt. Und um der neuen Bewegung Einhalt zu gebieten, griffen sie zum Kampfmittel des Jahres 5532. Oleich nach dem Erscheinen des Buches wurde über die Chassiden und über ihre Lehre vom Wilnaer Gaon und einer grossen Zahl ihm. treuer Rabbiner der Bann von neuem verhängt. Aber wenn die Mithnagdim das Buch „Toldoth" mit Spott und Fluch empfingen, war der Tage seines Erscheinens für die Chassiden .ein Tag der Freude und des Jubels. Sie erblickten in ihm die Grundlage und die Stützsäule des Chassidismus, aber auch den Schild, der die Bewegung vor Angriffen schützen wird. Der berühmte Koriz'er Zaddik, Rabbi Pinchas, schrieb über dieses Buch: „Ein 'sorches Buch hat es noch nie und nirgends gegeben, denn es ist die himmlische Lehre".7) Die Sage erzählt, wie R. Joseph-Jakob um die Verbreitung seines Buches besorgt war, denn er wusste, dass von ihm das Schicksal des Chassidismus abhing. Einst kam er mit seinem Buche nach Berditschew^ wo es jedoch wenige Abnehmer fand. Darob geriet nun R.. Jakob- Joseph in Zorn und Aufregung. Da wurde dem Zaddik R. Sew aus Shitomir, einem Schüler des Predigers von Meshiritsch, die Offenbarung zuteil, dass ein grosser Ankläger gegen die Stadt Berditschew in der „obem Welt" aufgestanden ist, und dass nun dieser Stadt viel Unheil und* Unglück droht. Da fuhr er nach Berditschew, kaufte dem Verfasser hundert Exemplare seines Buches ab und verteilte sie unter das Volk, Und das Gemüt des Rabbi Jakob-Joseph wurde beschwichtigt. Rabbi Sew aber sprach zu ihm: „Warum wardst du so zornig? Sollte nicht der Knecht bestrebt sein, seinem Herrn zu gleichen? Auch der Heilige, gepriesen sei Er, wanderte mit seiner Tora von Volk zu Volk, und Iceines der Völker wollte sie annehmen". 7) Midrasch Pinchas.