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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 63

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Das erste Buch des Chassidismus
Date
1919-10-25
Page
Seite 63 (sequence 2)
Language
German
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63 Am 8. Nissan cles Jahres 5532 wurde in allem Synagogen Litauens, im Einvernehmen mit den Rabbinern, an deren Spitze der Oaon Elia Wilna stand, der Bann, über die Chassiden und jhre Anhänger verhängt, und am 19. Kisslew des darauffolgenden Jahres starb der „Prediger14 von Mesiritsch, der Grundpfeiler des jungen Chassiciismus. Damals begannen für den Chassidismus schreckliche, gefahrvolle Tage: von aussen Verfolgungen seitens der Mithnagdim, deren Zahl von Jahr zu Jahr grösser wurde, im innern aber Zersplitterung und Verwirrung, denn mit dem Tode des „Führers" ging (das Zentrum der Bewegung* in Mesiritsch verloren, von wo aus die Propaganda in Russland und ausserhalb Russlands ausging. Die Schüler des Predigers zerstreuten sich über das ganze Land, und ein jeder von ihnen bildete um sich einen eigenen Wirkungskreis. In Litauen, wo der Chassidismus in seiner ersten Periode grosse Erfolge aufzuweisen hatte und wo er selbst in der Hauptstadt Wilna, dem Wohnort seiner eifrigsten Gegner, sich einen Weg zu bahnen verstand, war nach dem „Bann" und nach dem Tode des Führers eine bedeutende Schwächung des chassidischen Einflusses zu verspüren: Die litauischen vChassiden, die nahe am Kriegsschauplatz lebten, hatten unter dem Bann und den Verfolgungen mehr zlu leiden, als ihre Genossen in der Ukraina und in anderen Ländern. Viere von ihnen, darunter die Zaddikim R. Menachem-Mendel aus Witebsk, R. Abraham Kolisker, R. Israel Polizker, alles Schüler des „Predigers", sahen ein, dass es ihnen unmöglich ist, in diesem Lande für den Chassidismus, der ihnen das teuerste und höchste war, zu wirken. Sie sahen sich gezwungen, das Land zu verlassen, und begaben sich nach Palästina. Die Mithangdim jubelten. Sie dachten, dass die endgültige Auflösung des Chassidismus nahe »bevorstehe, dass er in allerkürzester Zeit aus dem jüdischen Leben völlig verschwinden werde. Damals lebte R. Jakob Joseph ha-Kohen zurückgezogen in seinem Hause und bereitete eine Kriegswaffe gegen die -Mithnagdim und ihre -Führer, die Rabbiner. Jene, die nur das Haupt des Chassidismius, den Prediger -von Mesiritsch, kannten, von Jakob-Joseph aber kaum etwas ahnten, wussten nicht, dass ein Mann in einem verborgenen Winkel eine scharfe geistige Waffe gegen, sie schmiedet, eine Waffe, welche die früher Verfolgten nunmehr zu Verfolgern machen wird. Im Jahre 5541 veröffentlichte R. Jakob-Joseph sein Buch „Toldoth Jakob-Joseph". Das Buch erschien in Medzibosh, der „heiligen Stadt" der Cliassiden, in einer „chassidtschem Druckerei", und überdies ohne die hergebrachten Empfehlungsschreiben („Haskamoth") von Rabbinern, was schon an sich genügte, um die Rachsucht und den Zorn der Talmudgelehrten zu erregen1). 1) Die ersten Chassiden hatten sich eigene Druckereien zu Zwecken „lauterer Heiligkeit" angelegt. Bekannt war die Druckerei des Zaddik R. Mosche Schappira aus Slawita, dessen Vater als R. Pinchas der „Grosse" aus Korez ßerühmtheit erlangte. Der Zaddik selber zeichnete die Buchstaben und die Verzierungen für das Titelblatt. Er weigerte sich, der Talmudausgabe, die er an seiner Druckerei besorgte, die Kommentare des Wilnaer Gaon beizufügen, wodurch er die Rabbiner sowohl in Russland als im Ausland gegen sich aufreizte.- Der Gaon R. Akkiba

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