Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 58

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Die Zenne Renne
Date
1919-10-25
Page
Seite 58 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
82% known words query
IRI
…/2908689-2908753-2908755-2912261--2828-2912331
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

58 sieht: am Texte der Bibel wird nidrts gemodelt und nichts, geändert; aber hinzu erzählt wird nach Herzenslust, die Lücken zwischen den Zeilen werden ausgefüllt — bis die knapp und scharf umrissenen Helden unsres klassischen Schrifttums anfangen, ihr eignes, menschlich gemütliches Leben zu führen. Die Bibel zeigt sie uns nur in den grossen Momenten ihres Lebens — Erwäblung, Prüfung, Verklärung; hier aber hören wir, Was vorher und was nachher war, erfahren, warum Gott dem Abraham erschien, warum Isaak seine Mutter vermisste (nicht mehr leuchteten die Schabboslichter aus ihrem Zelt), , Nvarum Mosche sterben musste und wie es dabei zuging. Eine neue Art von Bitel, eine wahre .Laienbibel tritt uns hier entgegen. Wieder ein Beispiel, das uns an Hiob und an Faust erinnert. Die Akedah, die Opferung Isaaks, beginnt: Vajhi achar hadwonm hoeleh (Und es war nach diesen Worten). Die Zenne Renne fährt fort: Un is gewen noch die dostge Red, hat Gott gipruft Awrohorn. Denn der Satan hat gisagt vor Gott: „Awrohorn gimacht vun wegen sain Sun, Wenn ich soll ihm hetssen sain Sun schachten vor mir, wet er gewiss es tun." Dos is gimeent: achar hadworim hoeleh — nach die Red vun dem Satan. Manchmal wird auch1 eine dunkle Steife dem Gefühl des naiven Lesers näher gebracht. So liaben sich viele Geschlechter gemuht, die grausame Versbossung der Hagar zu erklären. Sagt doch die Gemoroh 3>a9 men toi4 (darf) nit aweck neinmen die seruschoh (Erbe) vun ain Sun zu g^eben an ain anderen Sun — aphilu (auch nicht) vun ain schlechtin Sun zu ain girtin Sun.; najert (sondern) alle darfen glaich jarschenen." •— Wie hilft sich die Zenne Renne? — Sie macht (nach altem Vorgang) Keturah, das letzte Weib Abrahams, zu Hagar. Keturah aber hicss sie, „iwail ihre Maasim (Werke) senen giwen scheen, aso wie Ketaures (Weihrauch). — Nun aber schreibt Raschi: „dass Hagar hot sich wieder umgekehrt zii dienen awodath kochawim (Sternendienst); un wie schraubt er do, dass ihre Maasim senen gewenn scheen wie Ketaures. — Is der Tiruz (Sinn): sie hot wieder Teschuwoh (Busse) giton; un is frum giworin; hot men sie girufen Keturah." — Zu dieser inneren Geschichte der Erzväter kommen nun noch die erbaulichen Betrachtungen; stellte man sie zusammen, so ergäbe es wohl eine Art von praktischer Ethik des Judentums. Manchmal von grossem Feingefühl zeugend. So heissf es bei Noah: über ein Wort aus den Sprüchen Salomos: Mishalcch betomau zaddik: dos meent er: der Mentsch soll tun Mizwau9 leschem schomajim (um des Himmels willen) un nit von Gejus (Hochmut) wegen. Aso wie viel Leut senen, dos se gebin Zedokoh, un her noch gehen se un derzehlen es vor Leuten. Aso tuen se dermit zweeerlee Bees; eens is; das se haltin sich grauss dermit; un barihmen eich dermit, dos er sogt, dos jener is mekabel Zedokoh. Un drum hot Schlomoh hameleh gisogt, „der wos geht aso wie ein Tarn (Einfältiger), im er is ein Anaw (Demütiger) un halt sich nit grauss — tier is ain Zaddik.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.