Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Jüdische Bibliotheken im Lande Israel
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 51 (sequence 10)
- Language
- German
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51 werden zur Pariser Bibliotheque nationale, zum British Museum, zur Washingtoner Congress Library und zur Staatsbibliothek in Berlin. Das ist ein hohes Ziel, das vielleicht erst in Jahrhunderten völlig erreicht werden kann. Aber das Ziel kann gar nicht hoch genug gesteckt werden, wenn es sich um Ideale handelt, und wenn es überhaupt nur erreichbar erscheint. Ausser der grossen National- und Gelehrten-Bibliothek werden aber besondere Büchereien für die Hebung der Bildung der verschiedenen Volksklassen entstehen müssen. Da wird es der Bildungs-Bibliotheken bedürfen, die am ehesten den Free Public Libraries entsprechen dürften. Daneben wird man auch den eigentlichen Volks-Bibliotheken ein besonderes Augenmerk zuwenden. Man wird sie durch Wandcr-Bibliothek'en auf dem Laufenden erhalten und dauernd unterstützen. Das ist in erster Linie eine Sache vernünftiger Organisation. Zugleich wird das Bibliothekswesen die geeignete Stelle sein, um überhaupt für allgemeine Volksbildung Sorge zu tragen. Und in den Bibliotheken werden die Volkshochschulen ihre beste Heimat und Förderung finden. Gegenüber so weit ausschauenden Plänen und Notwendigkeiten ist das kläglich klein, was bisher erreicht worden ist. Die Sammlung von vielleicht 40 000 Büchern, die in Jerusalem existiert, hat unter 'der bisherigen Verwaltung, die eben keine war, schwer gelitten. Ausserdem ist sie nur recht einseitig und ganz unfachgemäss zusammengestellt. Gleichwohl hat sie den Ruhm, die erste Bibliothek gewesen zu sein, und den Anspruch, den Namen ihres Stifters Joseph Chasanowicz mit goldenen Lettern in das Buch der jüdischen Geschichte eingetragen zu sehen. In Berlin hatten die Büchersammlungen eben begonnen, als der grosse Krieg ihnen ein frühzeitiges Ende'»bereitete. Immerhin hat die Berliner Sammelstelle mindestens zehntausend Bände bereits gesammelt gehabt, als der Krieg ausbrach, obwohl sie kaum drei Monate gewirkt hatte. In Amerika hat Prof. Blondheim ebenfalls zirka 10 000 Bände hauptsächlich technischer •Literatur zusammengebracht. Ausserdem hat der von dem National Executive Gomite eingesetzte Bibliotheksausschuss in systematischer Weise den Grund für eine wettsc'hichtige Sammelarbeit gelegt. In Russland •'wurde von zionistischen Freunden die prachtvolle ßaron Ginzburgschc Bibliothek erworben und damit die Hoffnung erweckt, dass diese hervorragende Sammlung hauptsächlich hebräischer und orientalischer Werke in der National-Bibliothek erhalten bleiben solf. Bei den heutigen Zustanden in Russland ist es freilich nicht abzusehen, wann und ob überhaupt die Bibliothek für Jerusalem gerettet werden kann. Von höchstem Interesse ist es, dass -der gelehrte Leiter der Washingtoner Congress "Library, Mr. Putnam, ein Exemplar des Kataloges dieser Bibliothek als Morgengabe der liebmischen Universitäts-Bibliothek zu Jerusalem gespendet hat. Bisher ist nur ein einziges ExempSar dieses wertvolfsten bibliographischen Materials abgegeben worden, und zwar an das internationale Bureau ür Bibliopraphie in Brüssel. In Deutschland ist man es nicht gewöhnt, dass einzelne reiche Leute einen grossen Teil ihres Vermögens dazu verwenden, um durch die Gründung von Bibliotheken und sogar Universitäten ihrem Namen ewige