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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 50

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Jüdische Bibliotheken im Lande Israel
Date
1919-10-25
Page
Seite 50 (sequence 9)
Language
German
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50 Da ist ein Industrieller, der Verständnis dafür hat, dass der Industrie des Landes ungeheurer Vorteil daraus entspringen kann, wenn eine Bibliothek vorhanden ist, in der man alle" und jede Literatur findet, die über die Industrie im (weitesten Sinne unterrichtet, oder wenn er einer besonder« Industrie, wie der Tabak- oder der Textil-Industrie besonders nahe gestanden hat, eine allgemeine Abteilung für Gewerbe oder eine besondere Bücherei innerhalb der grossen National-Bibliothek für die betreffende Industrie .stiftet. In ähnlicher Weise werden Stiftungen erfolgen für jüdische und allgemeine Volkskunde, für Archäologie und Kunstgewerbe, für Kunst und einzelne technische Fächer und überhaupt für alle möglichen grösseren und 'kleineren Teilgebiete. Daneben werden sich in allen Ländern Sammelstellen für Büclicrspenden bilden, die die Sammlung von Büchern aller Sprachen und aller Fächer vermitteln werden. Dabei werden sich die Judehschaftcn einzelner Länder gern Sonderaufgaben stellen. So wird man erwarten dürfen, dass die deutschen Juden dafür Sorge tragen, dass Medizin und Technik aufs beste in den palästinischen Bibliotheken vertreten werden sollen. Daneben kann ein einzelner Interessent vielleicht eine Sammlung von Büchern über sozialistische und pazifistische Bestrebungen stiften. Das polnische Judentum wird Wert darauf legen, dass Jerusalem die vollständigste Sammlung der hebräischen Literatur mit ihrem jiddischen Nebenzweige haben soll. Englands Judenschaft wird sich vielleicht die orientalistischen Studien für ihre besondere Fürsorgte ausersehen. Ausserdem werden wir wohl die nationale Literatur aller Länder durch die Juden der betreffenden Landschaften als Geschenke erhalten können. Kurzum die Sammelstellen werden reiche und fruchtbringende Arbeitleisten können. Nur müssen sie sich stets vor Augen halten, dass zwar jedes Fach und jede Sprache, jede Kunst und jede Literatur in Frage kommt, dass aber die Bibliothek keine Rumpelkammer ist, und dass es der Gesamfthfeit nichts nützt, wenn man unter dem Scheine der Gabe sich unbrauchbarer und vielleicht gar zerrissener Bücher entledigt. Denn die Bibliothek soll keinen Ballast, sondern das geistige Rüstzeug einer werdenden und wachsenden grossen Kulturnation umsehliessen. Sie ist das wohlgefülltc Arsenal im Kampfe der Geister. Ausser der grossen Staats- und National-Bibliothek wird es natürlich auch andere Büchereien gebenj. Sie selbst wird in erster Linie auch die Universitäts-Bibliothek;(mit umsehliessen. Als National-Bibliothek wird sie bestrebt sein, alles was von Juden jemals gedacht und geschrieben ist, möglichst vollständig zu sammeln. Ebenso wird sie sich bemühen, in gleichfalls systematischer ^Ordnung und möglichster Vollständigkeit alles, zu sammeln, was jemals über Juden und Judentum geschrieben und gedruckt worden ist. Aber wie die jüdische Nation geistig zwar stets selbstständig, niemals aber isoliert war, so darf diese judaistische und jüdische Bibliothek nicht vereinsamt sein, sondern muss ergänzt werden durch die Literatur und das Wissen aller Völker. Sie soll zwar jede Rabbinerseminar-Bibliothek auf dem Gebiete des Judentums himmelweit hnter sich lassen, aber eben keine solche Seminar-Bibliothek, sondern eine Weltv Bibliothek werden, soll also zugleich sich bestreben, eine Parallele zu

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