Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Jüdische Bibliotheken im Lande Israel
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 52 (sequence 11)
- Language
- German
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52 Dauer zu verleihen. In Amerika ist das etwas ganz Bekanntes. Wir dürfen hoffen, dass sich zum mindesten in Amerika und in England einzelne Männer finden, die von sich aus die Mittel spenden, um in Jerusalem eine Sammlung der englischen und amerikanischen Bücher zu errichten. Ob sich' in Deutschland Spender mit ähnlich weitem Herzen und so grossem Weitblick finden, bleibt abzuwarten. Noch in diesem Winter wird im Auftrage des Ressorts für Erziehung und Kultur der zionistischen Zentrale in London ein Sachverständiger hinübergehen, um an Ort und Stelle in Verbindung mit den Gründern und Sachverständigen der Universität alle Vorbereitungen zu treffen, um die National-Bibliothek bzw. die Universitäts-Bibliothek zu gründen und ein allgemeines hebräisches Bibliothekswesen in die Wege zu leiten. Sache der deutschen Juden ist es, bei dieser eminent allgemein-kulturellen und dabei jüdisch-nationalen Tat hinter den Juden anderer Länder nicht zurückzubleiben. .Bon Awigdor, der Schöpfer des modernen hebräischen Buches Von Dr. Nahum Goldmann, Heidelberg s gibt wenig reizvollere und aufschlussreichere Kapitel der jüdischen Kulturgeschichte als die G e s c h i c h/t e des hebräischen Buches. Welche Wandlungen es in seinen Inhalten im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht hat, welcher Art seine sozialökonomische Fundierung in den verschiedenen Zeiten war. — Dies zu verfolgen, ergäbe einen interessanten Längsschnitt durch die jüdische Geschichte der Diaspora. Man wird -finden, dass bis in die letzten Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts das jüdische Volk zum hebräischen Buch die Beziehung wie zu etwas Heiligem, Erhabenem, über die Sphäre des Alltags Hinausreichendem gehabt hat. Das Erlebnis vom höheren, fast möchte man sagen metaphysischen Sinn des Buches als dem Symbol und der Verkörperung des Gesetzes hat kaum ein Volk je so stark gehabt, wie 'das jüdische, das „Am hasseferff (das Volle des Buches). Jene profane Bedeutung, die das Buch für uns Moderne hat, als ein Alltägliches, Natürliches, als eines der vielen gewöhnlichen Bedürfnisse unseres Lebens, haftete dem hebräischen Buche noch nicht an. Nahm es der Jude aus dem Regal, tat er es mit einer gewissen Andacht und mit dem Bewusstsein, aus der lauten Sphäre des geschäftigen Alltags in die reinere, höhere des Geistigen, des Ewigen zu treten. Diesem Erlebnis von Sinn »und Bedeutung des Buches entsprach auch seine ökonomische Fundierung. Er besass eigentlich keine. Heilige Dinge können ihrer (Natur nach nicht ökonomisch geregelt, noch organisiert werden, sträuben sich dagegen, in das Netz des materiellen Wirtschaftssystems einbezogen zu werden. Es gab keine Organisation des Buchverlags, des Buchhandels. Der .Autor des Buches musste auch für sein Erscheinen sorgen, war selbst Verleger und Buchhändler. Zwischen ihm und dem Käufer bestand so etwas wie eine persönliche Beziehung. Der Autor benachrichtigte seine Bekannten sowie von ihm geschätzte Per-