Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Jüdische Bibliotheken im Lande Israel
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 49 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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49 längere Zeit vergehen, bis ein grosser Bücherschatz gebrauchsfertig zur Verfügung der Benutzer steht. Auch werden noch lange Zeit viele von den Büchern fehlen und sogar fehlen müssen, die der einzelne Benutzer für seine Arbeit für unentbehrlich erachtet. Das weiss auch jeder Gelehrte und wissenschaftliche Arbeiter, und er ist sehr zufrieden, wenn er auch nur den wichtigsten Teil der erwünschten Literatur vorfindet. Was er dagegen nicht entbehren kann, ist die Möglichkeit, jedes Buch und möglichst jeden Zeitschriften-Artikel nachzuweisen, dessen er bedarf, und zwar so, dass er nach diesem Nachweise sich die einzelne Arbeit auf buchhändlerischem *Wege ohne Verzögerung verschaffen kann, Daher ist es ein Haupterfordernis einer solchen Bibliotheksgründung, dass erst einmal jener bibliographische Apparat beisammen ist, dessen .der Bibliothekar bedarf, um für Gelehrte und Studenten, die Literatur nachzuweisen, die für alle in Frage kommenden Fächer erschienen ist. Das ist bereits selbst eine grosse und umfangreiche, dazju 'gar nicht billige Bibliothek. Sie erstreckt sich auf alle Fächer, alle Gegenstände, alle Länder und alle Sprachen. Dieser bibliographische Apparat wird zuerst in reichem Ausmasse beschafft werden müssen. Es ist natürlich, dass wenn ein erheblicher Teil der vorhandenen Mittel auf die Beschaffung dieses bibliographischen Materials verwendet werden muss, zu dem noch" weiter die Enzyklopädien und die Wörterbücher aller möglichen Sprachen hinzukommen, dass dann die Mittel für weitere Käufe in den ersten Jahren nahezu erschöpft sein würden. Dadurch würde für die eigentliche sachliche Literatur verhältnismässig zu wenig Geld übrig bleiben. Das muss vermieden werden. Andererseits wird selbst die grösste Organisation, der ja auch hundert andere Pflichten obliegen, die ebenfalls und zum Teile noch viel grössere Geldmittel erfordern, nicht imstande sein, Summen ohne Grenzen für diesen Zweck herzugeben, obwohl jeder einzelne, der sich irgendwie im Lande organisatorisch oder wirtschaftlich, politisch oder kolonisatorisch, wissenschaftlich oder praktisch beschäftigt, die Bibliothek und die Bibliotheken gebraucht. Um diese Geldmittel zu beschaffen, werden wir in erster Linie auch auf weitschauende Wohltäter angewiesen sein. Es ist natürlich, dass Gelehrte und Sammler jeder Art es gern sehen werden, wenn ihre Bibliothek nach ihrem Tode in einer öffentlichen Sammlung erhalten bleibt und zugleich der Wissenschaft und Kunst zugute kommt. Sic werden, wenn es ihnen die Mittel erlauben, gern die Jerusalem-Bibliothek zu Erben dieser Sammlung einsetzen oder reiche Leute veranlassen, dass sie die Sammlung käuflich unter der Bedingung erwerben, dass sie bis zu ihrem Tode Inhaber und Nutzniesser ihrer Studienbibliothek blieben, dass diese aber nach ihrem Ableben in den Besitz der Jüdischen National-Bibliothek zu Jerusalem übergeht. Nicht minder wichtig' wird es sein, dass Männer und Frauen, die für die Wichtigkeit orientalischer Kultur und ihrer. Neubelebung durch das lebendige jüdische Volk Verständnis haben, Stiftungen testamentarisch der National- Bibliothek und überhaupt für das jüdische Bibliothekswesen errichten. Vor allem werden sich gern Leute linden, die innerhalb der Haupt-Bibliothek Sonder-Bibliotheken und Fachsammlungen stiften wollen.