Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Jüdische Bibliotheken im Lande Israel
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 48 (sequence 7)
- Language
- German
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48 Aber es ist natürlich, dass die Naturwissenschaften in einem Lande ganz besonders gepflegt werden müssen, das wie kein anderes alle Rohstoffe für eine ausgebreitete diemische Industrie birgt, während die land* wirtschaftliche Grundlage der ganzen Kolonisation ja direkt zu den grundlegenden theoretischen und praktischen Studien einläd. Aber auch hier geht es nirgends ohne Bücher ab, und Medizin und Naturwissenschaften müssen bei ihren Forschungen stets ausser den neuesten Fachbüchern die ganze grosse und immer stärker anschwellende Zeitschriftenliteratur zur Verfügung haben. Die bisherigen Aerzte und Naturforscher im Lande haben unter dem Mangel der allgemeinen und Fachbibläotheken schwer gelitten. Und da handelte es sich doch nur um Einzelne, während heute ein ganzer Stab von Forschern und gelehrten Praktikern im. Lande arbeiten muss, um die Grundlagen rationeller Kolonisation zu schaffen. Ebenso war es eine stete Klage der an der Kunstgcwerbesc'hulc tätigen Kunstgelehrten und Künstler, dass sie der reichen Literatur entbehrten, die europäische Bibliotheken ihnen [geboten hätten. Es ist der {gebotene Gang, dass die Universität aus einzelnen Forschungsinstituten erwächst. Es soll ja kein künstliches Gebilde gescheiten Werdern; sondern die Gesamt-Universität soll sich aus dem Zusammenwirken der organisch erwachsenden Forschungsinstitute bilden. Auch ist die Universität nicht etwa eine Art höherer oder hoher Schule, sondern die Stätte vereinten Forschens, wo naturgemäss dann der Student in der gemeinsamen Forschungsarbeit mit dem Meister lernt. Diese Institute müssen ausser der allgemeinen Bibliothek ihre Fachliteratur in reichem Masse zur Verfügung haben und sie regelmässig organisch ergänzen, Diese Instituts-Bibliotheken werden organische Teile der grossen Forschungs-Bibliothek sein müssen. Sie werden ebenso selbständig arbeiten, wie die einzelnen Institute ihre Forschungsarbeit verrichten. Ab)er sie werden von der grossen Bibliothek aus einheitlich verwaltet werden. Das Handwerkszeug, das die Pioniere im Lande gebrauchen, wird auch nicht bloss aus Schippe und Spaten, aus Maschine und Treibriemen bestehen. Im (Gegenteile wird ihnen das Buch die allerwichtigsten Dienste leisten müssen. Denn ' Pioniere sind ja nicht bloss die jungen Menschen, die Gräben ziehen und .Bahnen bauen, die Sümpfe entwässern und Baracken errichten, sondern in erster Linie auch jene Männer, welche grosszügige Pläne entwerfen, um )Städte zu schaffen und den Verkehr zu regeln, ' die Einwanderung regeln und die Siedlung leiten. Diese geistigarbeitenden Pioniere finden ihr Handwerkszeug ebenfalls in den Büchern und damit in den Bibliotheken. Für sie und für die von ihnen ge: schaffenen Verwaltungen muss ebenfalls die grosse Bibliothek zuerst einmal aktiv werden.. . Es wird freilich jedem klar sein, dass selbst sehr grosse Mittel, die zur Verfügung gestellt werden, es nicht ermöglichen, eine grosse Bibliothek von heute auf morgen hinzustellen. Bibliotheken wollen ihre Geschichte haben. Man kann zwar sehr viel tun, gleich wenn man sie gründet. Man kann eine gewisse Vollständigkeit in einem bestimmten Rahmen von vornherein anstreben, und in vieler Hinsicht wird es eine Frage der bereit gestellten Mittel sein. Gleichwohl wird immer eine.