Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Jüdische Bibliotheken im Lande Israel
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 46 (sequence 5)
- Language
- German
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46 das Volk der Isländer, das in seiner grossen Mehrheit die Universität besucht und doch fast ausschliesslich aus Bauernbevölkerung bestellt. Bildung schlicsst bäuerlichen Fleiss und landwirtschaftliche Genügsamkeit nicht aus. Im pegenteil, wollen wir den Juden zur Landwirtschaft in irgend welcher Form erziehen, so müssen wir ihm zeigen, dass er dadurch nicht von seinem *Bildungsstreben abgedrängt werden soll. Er soll Bauer werden, aber nicht verbauern. **' Der Jude bleibt bloss dann B,auer3 wenn er dabei seinem lebhaften Geiste Genüge tum kann. Wie der alte Talmudist Handwerker jeder Art war, ohne in seinem geistigen Schaffen zurückzubleiben, so will der jüdische Handwerker und Bauer seinem Berufe nachgehen, aber geistig auf der Höhe-bleiben. Diaher der hohe Bildungsstand in den heutigen jüdischen .Kolonien. Darum eignet sich der Jude auch noch mehr zum Partner und Pflanzer als zum Getreidebauer, weil er dabei seine geistigen Anlagen im Berufe selbst verwerten kann. Die deutschen Kolonisten Palästinas haben mit Vorliebe jüdische Vorgärtner genommen. Deshalb hat jedes noch so kleine jüdische Dorf, erst Techt aber jede jüdische Stadtgemeinde das Bedürfnis nach einer geeigneten Bibliothek, und wo eine solche vorhanden ist, wird sie stark benutzt. Die jüdische Stadtbevölkerung aber bedarf noch viel mehr als die Landgemeinden der Erhöhung ihres Wissens, weil sie nur so im Wettbewerbe mit den 'Angehörigen anderer Nationen sich wirtschaftlich und national zu behaupten vermag. Auch hier vermag die Bibliothek das Allermeiste von sich aus zu schaffen, und jedenfalls ist sie wiederum die Grundlage für alles Bildungsstreben auch in den Städten. So sind schon vor Jahrzehnten in Jerusalem und in Jaffa aus dem Bedürfnisse der Bevölkerung heraus mit freilich ganz unzulänglichen Mitteln und ohne fachmännische Sachkenntnis die ersten öffentlichen Bibliotheken ins Leben gerufen. Das Jüdische Volk hat während des letzten Jahrhunderts sich zum Teil sehr stark von klen eigentischen jüdischen Studien entfernt. Während es im Mittelalter und zum Teil bis in die Neuzeit hinein die Führung auf dem .Gebiete des hebräischen Sprachstudiums und teilweise der Bibelforschung hatte, ist es auf diesen Gebieten ganz in den Hintergrund getreten. Dass die Bibelwissenschaft das Sondergebiet protestantischer Theologen geworden ist und dass Juden an ihr nur ganz verschwindend wenig beteiligt sind, ist kaum zum Vorteil dieser Wissenschaft ausgeschlagen. 'Aber einstweilen stehen die Juden hier ausserhalb der Forschung, grade auf ihrem ureigensten Gebiete. Und es liegt die Gefahr vor, dass .es ihnen auf dem Gebiete der Mischnahforschung .ähnlich gehen kann, wenn sie weiter darauf verharren, ihre hervorragendsten Geisteskräfte auf alle andern Gebiete als grade auf die jüdischen zu verwenden, Sie haben ihrer geringen Zahl nach doch gewiss' genug Träger von Nobelpreisen bisher schon gehabt. Aber ihr eigenes Geistesgebtet haben sie vernachlässigt, obwohl , grade auf semitistischem Gebiete und im Bezirke des Veiteren Orients grade Juden und Judenstämmlingc stark an der Forschung beteiligt sind.