Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Jüdische Bibliotheken im Lande Israel
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 43 (sequence 2)
- Language
- German
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43 bar verloren gegangen. Das zu allen Zeiten red- und schreibseligc Volk der Juden hat eben auch in der ersten Periode seiner Geschichte W.erke aller Art auf allen möglichen Geistesgebieten verfasst, und nur das ist uns erhalten geblieben, was als heilige Schrift der Nation den Zerstörungen und Vertreibungen, der Vernichtung und den Verbrennungen Trotz geboten hat. Schon damals war Israel nicht bloss ein Volk des Buches sondern der Bücher. Aber erst recht haben die Juden in den Jahrtausenden ihrer Verbannung eine riesenhafte und fast unübersehbare Literatur geschaffen, von der ebenfalls. bisher nur herzlich wenig durch den Druck der modernen Forschung erschlossen ist. -Und wieviel auch dort verloren gegangen ist, noch schlummern ,tausende und abertausende von hebräischen und jüdischen "Werken aller Art in verborgenen Handschriften und harren des Lichtes, yon der Bedeutung der Juden im modernen Geistesleben wollen wir hier gar nicht reden. Jedenfalls sind die Juden ein Element, das wohl in keinem einzigen Lande in seinem Durchschnitte unter dem Durchschnitte seiner Landesgenossen steht. LJnd damit haben wir festgestellt, dass das jüdische Volk auch heute noch in der vordersten Reihe schaffender Kulturvölker steht. Bei der jetzigen Umschichtung des ganzen jüdischen Volkes, dessen geistiger Schwerpunkt ebenso wie die grosse Mehrheit des ganzen Volkes bisher in der westlichen Hälfte des zusammengebrochenen Zarenreiches gelegen halte, das sich jetzt aber materiell und kulturell nach Amerika und Palästina verschiebt, liegt die doppelte Gefahr vor, dass es zum Teil seines jüdischen Inhalts beraubt wird, und dass es von der geistigen Höhe herabsinkt, durch die es sich am Leben erhalten hat. Bei der Neubesiedfung des alten Heimatlandes der Nation werden wir daher den allergrössten Wert darauf legen müssen, dass keine Minderung der Kultur eintritt »sondern dass womöglich neben der erstrebten moralischen Erhöhimg auch eine solche geistiger Art erfolgt. Die bisherigen Versuche der Kolonisation Palästinas haben gewiss auch manchen Fehler gehabt. Wir selbst waren stets diejenigen, die am eifrigsten unser eigenes "Werk kritisiert haben. Aber gleichwohl bedeutet die kolonisajorische Tätigkeit im Lande Israel eine solche höhere Stufe gegenüber dem bisher in Palästina Dagewesenen, dass das ganze Niveau des palästinischen Lebens auch ausserhalb der Judenschaft erheblich erhöht worden ist. Und das trifft nicht bloss auf die nahe Umgebung der Kolonien zu, wo es augenfällig jeden Tag beobachtet werden kann. Dass idie Juden trotz ihrer geringen Zahl in Palästina schon heute einen Vorrang vor den übrigen Bewohnern haben, verdanken sie einzig und allein-ihrer höheren Kulturstufe. Und das wird in Zukunft noch viel mehr der Fall sein als bisher. Wir Juden erheben den Anspruch auf die Priorität in unserm alten Stammlande. Aber wir haben dabei keineswegs die Absicht, die Araber aus ihrem Besitze zu verdrängen. Das Land hat Grund und Bdden genug, um unsern Millionen die Existenz zu bieten, ohne sie den Hunderttausenden von Arabern zu entziehen oder zu verkürzen. Wir stehen auf dem Standpunkte des alten Judentums: Auch Israel hatte ein