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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 37

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Jüdische Druckstätten
Date
1919-10-25
Page
Seite 37 (sequence 2)
Language
German
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37 Wenn auch die ersten jüdischen Druckwerke in Italien ans Licht traten, so sind dennoch deutsche (und französische) Juden an ihnen recht stark beteiligt Zwei Brüder aus Strasburg sind in Bologna beschäftigt. Ein anderer Drucker stammt aus Günzenhausen, der bekannte deutsche Gelehrte Jakob Landau, Verfasser des Agur, war 1487 in Neapel tätig. Etwa ein dritter Teil aber der bisher bekannten Inkunabeln geht auf die Tätigkeit der aus Deutschland stammenden Familie der Drucker von Soncino (1483—1495), der sogenannten Soncinaten zurück. Schon in einer Ausgabe vom Jahre 1485 aus Soncino findet sich das stolze Wort: „Denn von Zton geht die Lehre aus und das Wort Gottes von Soncino!" Der Stammvater der Familie, der in einem Drucke als Moses mit dem Beinamen „Mentelin" (aus Mainz) bezeichnet wird, gehörte wohl zu jener nicht geringen Anzahl von Juden, die wegen der traurigen' Verhältnisse in Deutschland um die Mitte; des 15. Jahrhunderts nach Italien und den Türkenländern auswanderten. Aus der Reihe ihrer wertvollen Drucke sei das Alte Testament mit Vokalen und Accenten von 1488 hervor gehoben. Italien ist bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts beim Druck hebräischer Werke an der Spitze geblieben. Neben Gcrson Soncino, der auch in Fano, Rimini und Pesarp druckte, nahmen etwas später in Venedig verschiedene christliche Druckherren den Druck hebräischer Werke auf. Daniel Bomberg, ein aus Antwerpen gebürtiger Grosskaufmann, hat hier in den Jahren 1515—1549 seine für die jüdische Wissenschaft überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet. Drei Talmudausgaben sind aus seiner Offizin hervorgegangen, mehrere Bibclausgahen, Ritualwerke, eine Reihe von philosophischen und ethischen Schriften. Die Aufzählung seines Verlages bei Freimann in der Zeitschrift für Hebr. Bibliographie 1906 S. 79 ff, umfasst 186 Nummern. Ausser ihm druckten in Venedig G i u s t i n i a n i (von 1545), Bragadini (von 1550). In Sabioneta druckte von 1551—1559 der Jude Tobias Foa unter anderm eine Talmudausgabe, von der aber nur einzelne Traktate bekannt sind. Die aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden hatten in der Türkei eine neue Heimat gefundent und so finden wir auch gleich in den beiden grössten Gemeinden Konstantinopel und Saloniki jüdische Drukkereien. 3n Konstantinopel erschien das erste hebräische Buch 1503. Hier war auch bis zu seinem Tode um 1534 der uns schon bekannte Gerson Soncino tätig. In Saloniki druckt man von 1515 an, in. der ersten Zeit hauptsächlich biblische Bücher. In beiden Städten waren jüdische Pressen mit Unterbrechungen bis in die Neuzeit im Betrieb. Im übrigen Orient hat sich der hebräische Buchdruck nur langsam verbreitet. In Aleppo finden wir 1610 eine hebräische Druckerei, 1605 in Damaskus. In Palästina ist in Safed 1563 die erste hebräische Druckerei. In Jerusalem kommt erst 1841 das erste hebräische Buch von einem deutschen Juden, dem Rabbiner Josef Schwarz, heraus. In Bagdad, Kalkutta, im Osten des islamischen Gebietes, und in Argier, Tunis, im Westen wurden von Juden im letzten Jahrhundert Druckereien errichtet, die zum guten Teil Werke in den verschiedensten jüdisch-arabischen Dialekten druckten. (Für die arabisch sprechenden Juden wird aber zu gleicher Zeit

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