Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Jüdische Druckstätten
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 36 (sequence 1)
- Language
- German
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36 Jüdische Druckstätten Ein kuner Ueberblick von Prof. Dr. Hermann Pick", Berlin »o und seit wann hat man hebräische Werke gedruckt? Die Antwort auf diese Frage bildet ein nicht uninteressantes Kapitel aus der Kulturgeschichte des in «He Welt zerstreuten jüdischen Volkes. Die Juden, das „Volk des Buches", wie es der Koran nennt, bei denen die Kenntnis des heiligen Schrifttums und das Forschen religiöse Pflicht war, haben die Erfindung der schwarzen Kunst mit grosser Freude begrüsst und <iie sich recht bald zunutze gemacht. Noch David Gans, der Verfasser der Chronik „Zemach David" der um 1592 schreibt, spricht begeistert vom dieser deutschen Erfindung: „Nichts kommt ihr gleich von allen Wissenschaften und Künsten, seitdem Menschen auf Erden weilen." Italien ist das »Land der ersten hebräischen Drucke, und das erste vollendete Werk ist der am 5. Februar 1475 fertig gedruckte Kommentar zum Pentateuch des berühmtesten aller jüdischen Kommentatoren Raschi. Druckort ist. Reggio in Calabrien, der Drucker Abraham b. Isak Garton. Nur ein Exemplar des 116 Bogen Folio umfassenden Werkes ist bekannt, das Exemplar in Parma. Fast gleichzeitig erschien im nördlichen Italien in Pieve di Sacco das1 Ritualwerk des Jacob ben Ascher, die 4 Turim, deren Drucklegung wahrscheinlich noch früher begann als die des eben erwähnten Raschikommentares. Aus der Zeit dpr sogenannten Frühdrucke (Inkunabeln), bis zum Jahre 1500 kann man rund 100 verschiedene Drucke an etwa 17 verschiedenen Druckorten in Italien, Spanien und Portugal nachweisen. , Auf diese Frühdrucke soll hier nicht weiter eingegangen werden» Man würde ihrem inneren und äusseren Wert mit wenigen Worten nicht gerecht werden. Nur das mag gesagt sein, dass verschiedene von ihnen noch heut unerreichte Vorbilder jüdischer Typographie sind. Einzelne dieser Drucke, besonders die aus Mantua und Lissabon in Raschischrift, wirken fast wie Handschriften. Die auf der iberischen Halbinsef gedruckten nähern sich in ihren Buchstabenformen mehr dem arabischen Schriftcharakter, während die italienischen Drucke im allgemeinen die uns geläufigen Formen zeigen. Ueber die Familie der Soncinaten, die an diesen Frühdrucken in Italien am stärksten beteiligt sind, ist später noch einiges zu sagen. Von den sonstigen Druckorten Italiens in dieser Zeit seien noch Mantua, Ferrara, Bologna, Neapel und Rom genannt. In Spanien wurde an drei Orten gedruckt: in Quadalaxara, Ixar und Zamora. Das erste überhaupt in Portugal gedruckte Buch ist das Pentateuch von Faro (1482 oder 1487). Sonst wurde in Portugal in iLeiria und vor allem in der berühmten Offizin des gelehrten Elieser Toledano in Lissabon gedruckt (1489 — c. 1492). Die Drucke aus Spanien und Portugal sind überaus selten. Bei der Vertreibung der Juden von der iberischen Halbinsel mögen noch' vief andere uns unbekannte Druckwerke verloren gegangen sein. Mit Recht macht E. N, Adler (A Gazetteer of hebrew printing 1917 S. 1) auf den Mangel eines jeden Druckwerks aus Toledo aufmerksam. In der grossen und gelehrten Gemeinde waren alle Voraussetzungen für die. Begründung einer jüdischen Druckerei gegeben.