Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 2-4 (25.10.1919)
- Article
- Das hebräische Buch
- Date
- 1919-10-25
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
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33 Wir haben das Beste von der ersten Gruppe neu zu beleben, das Beste der zweiten —. zu erlösen und die dritte Gruppe — sorgfältig zu hegen und zu pflegen, bis sie fest auf den Füssen steht. Vor allem aber sind die Scheidewände zwischen den Gruppen abzubrechen, es muss eine einbertliche (Literatur, von einem obersten nationalen Gedanken beflügelt, entstehen. Praktisch (denke ich mir die grundlegende Sammlung auf folgenden Pfeilern gebaut: <] : i_ (! i}: :; I. (Aufgabe der Sammlung ist, jedem hebräischen Leser die Möglichkeit zu geben, die wichtigsten Schöpfungen der jüdischen Literatur aller Zeiten aus innen heraus möglichst vollkommen kennen zu lernen. II. Der jganze Stoff muss daher allein vom Standpunkt seines literarischen Wertes eingeschätzt werden, nicht aber von irgendeinem anderen Standpunkte oder irgendeiner Nebenabsicht heraus. III. Auch Uebersetzungen von Erzeugnissen jüdischer Talente <n anderen Sprachen gehören in die Sammlung, wenn sie nur das Gepräge des jüdischen Genius aufweisen, oder wenn sie auf das jüdische Volk bedeutenden Einfluss ausübten, oder wenn sie sonst einen besonderen literarisch-geschichtlichen Wert haben. IV. Literaturgebiete, die nur für gelehrte Fachleute von Interesse sind, nehmen in der Sammlung einen Sonderraum ein. V. Zentrale, {grundlegende Werke, die aus den Urzeiten des Volkes stammen, oder die auf den Geist des Volkes bis auf heute wirken, werden in die Sammlung unverändert und ungekürzt aufgenommen; die Stellungnahme unserer Generation findet ihren Ausdruck in Einleitungen, Kommentaren und Anmerkungen. VI. .Sonstige Bücher werden entweder — wenn sie sehr wichtig sind — jganz aufgenommen oder in Auszügen so redigiert, dass sie ein bestimmtes literarisches Werk oder Epoche oder Schule klar erkennen lassen. ' i! \ \, . I; j| VII. Die ganze Sammelarbeit (die Auswahl und Anordnung, Bearbeitung und Erläuterung) muss nach ihren unsichtbaren Wurzeln wissenschaftlich, nach ihrer zutagetretenden Form aber populär sein. Der komplizierte Apparat der Vorarbeit soll nicht auffällig sein. Die Sammlung soll zugleich für Lektüre und Studium geeignet sein. Die notwendigsten wissenschaftlichen- Exkurse 'können am Ende jeden Bandes gegeben werden. Im jganzen würde der umfangreiche Stoff des hebräischen Schrifttums in folgende Abteilungen zerfallen: 1. Die Bibel, die Apokryphen und die Pseudoer>,igraphen. Die Bibel gehört unstreitig unter die im Grundsatz V vorausgesetzten Werke. Die Bibel ist der Knotenpunkt des jüdischen nationalen Denkens und Fühlens aller Zeiten. Sie befruchtete stets den Geist des Volkes aufs neue und wurde durch das Volk immer neu verjüngt. Die Bücher der Bibel haben daher« an der Spitze und im Zentrum aller unserer literarischen Güter zu stehen. Die Bibel soll unverändert wiedergegeben werden, es kommen aber am Rande, am Anfange und am Ende: