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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-25 · Heft 2-4 (25.10.1919) · p. Seite 28

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 2-4 (25.10.1919)
Article
Das hebräische Buch
Date
1919-10-25
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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______ iii nationaler Atmosphäre geschieht, kehrt zu den Anfängen zurück. . Koch mehr: selbst die Schöpfupgen der Revolutionäre werden seinerzeit Glieder einer Kanonkette werden. Weil eben jeder Kanon, jeder Abschluss nicht etwa eine Laune von Autokraten, sondern historisch bedingt ist, nämlich durch den Drang zur Erneuerung, zur Befreiung vom Ueberflussan Schrifttum. Daher sollte der hier vorgeschlagene Abschluss nicht als kindische Nachahmung der Vergangenheit angesehen werden. Wenn wir daran gehen, unserer Literatur den lebendigen Einfluss auf das Volk zurückzugeben, so müssen wir unter anderem eine neue Sammlung herstellen, die selbstverständlich (national und nicht religiös sein wird. Wir werden überhaupt nicht sklavisch das Verfahren der Alten nachbilden. Wir behalten uns volle Freiheit vor. Die Alten arbeiteten gewissenhaft nach ihrer Art, nach der zu ihren Zeiten waltenden Anschauung und Geschmacksrichtung und nach den geistigen Ansprüchen ihrer Zeit gemessen. Heutzutage sind die /Ansprüche und die Kriterien andere. Das Verhältnis zur Arbeit muss aber dasselbe sein zu allen Zeiten: eine Erkenntnis der grossen Verantwortung, die das Volk auf denjenigen auferlegt, der in seinem 'Allerliciligsten schaltet und waltet. Ich weiss, Buch und Schrifttum sind heutzutage etwas Profanes, für viele nichts als Ware. Das wahrhafte Schaffen aber spottet über den Marktlärm. Es lebt ewig und bewahrt sein Heiligtum für immer. Letzten Endes, ob willig oder notgedrungen, nehmen die Menschen die Macht des Schöpferaschen auf sich und öffnen ihre Herzen seinem Wirken. Soll also das Volk empfinden, dass es in seiner Welt einen Winkel gibt, der voller Reinheit ist und der eine Zufluchtstätte dem Erleben aller Generationen bietet. Soll das Volk das Bewusstsein haben, dass diese Arbeit, die\ eigens für Volk und Schrifttum gemacht wird, nichts von Werktäglichem, von Nebenabsichten enthält, sondern allein der geistigen Ehrenrettung und der Zukunft wegen vorgenommen wird * — ihr werdet sehen, wüe das Vfolk das Werk anerkennen und diejenigen,, die das Werk anfangen, segnen wird. Es versteht sich von selbst, dass unsere Abschlussammlung! das fortwährende literarische Schaffen nicht beeinträchtigen oder auch nur irgendwie hemmen •will. Die Sammlung will vielmehr bereichern und befruchten. Das Rad der Schöpfung rollt weiter. Der Faden wird weiter gesponnen und in das Gewebe der Geschlechter eingewoben. Ja, in der Arbeit der Sammler selber werden wir die Prägung der Gegenwart erkennen. Der Zeitgeist wird von selbst in ihren Erzeugnissen gleichsam zwischen den Zeilen spuken. Ausserdem werden handgreifliche Spuren unserer Zeit in der Form von neuen „Einleitungen" zu alten Werken dazu kommen. Alles hängt von der Wahl des Stoffes und seiner Anordnung ab. Neue Zusammensetzungen alter Dinge vermögen Zentren zu verschieben, Welten umzustürzen und Welten zu bauen.' Nachdem der alte Stoff durch das Sieb des neuen Geschmackes durchgesiebt sein wird, wird er innerlich und üusserlich in ein neues Licht gerückt sein. Es wird eine neue Sciiöpfang werden. Da der gesamte Stoff, von den Urzeiten bis heute, nach ein

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