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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-10 · Heft 1 (10.10.1919) · p. Seite 16

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 1 (10.10.1919)
Article
Rasse und Kultur
Date
1919-10-10
Page
Seite 16 (sequence 6)
Language
German
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16 Veranlagung. Und was ist Rasse anderes als eine Summe von Einzel« menschen? Geht ihre Veranlagung in eine bestimmte, im allgemeinen verwandte Richtung, so wird die Rasse eine spezifische Kulturleistung Vollbringen. Gewiss, dieser Nachweis in der Geschichte ist ausserordentlich schwierig; aber wer kann leugnen, dass die Hellenen eine besondere Begabung für Künste und Wissenschaften, die .Römer für Organisation, die Juden für Ethik und Religion hatten? Kann man das durch „Milieu" erklären? Auf dem gleichen Boden haben vor und nach ihnen andere Rassen gelebt, ohne Aehnliches hervorzubringen. (Hierbei braucht es sich natürlich nicht um „reine Rassen" zu handeln, sondern das Wirksame war eben diese besondere Mischung!, die wir Juden, Hellenen, Römer nennen.) Hier begeht nun Hertz, genau wie z. B. Zollschan, einen eigentümlichen logischen Saltomortale. ChämbcrJain (dessen Bekämpfung leider % des Hertz'sehen Buches gewidmet sind) macht die Semiten und ihre Kulturleistungen aufs tiefste verächtlich und erhebt daiür die „Arier" in den Himmel; Hertz hebt dafür die Leistungen der Semiten hervor und betont den Tiefstand arischer Völker — und merkt nicht, dass er sich damit auf den Boden der Rasseniheorie stellt! Mit Recht betont er, dass der Begriff der Rasse viel zu verschwommen ist, und da<»s man mit diesem Zauberwort alles „erklären" könnte; aber er macht genau denselben Fehler, indem er alle besonderen Leistungen aus den sozialen Verhältnissen glaubt abhiten zu können. Denn der wichtigste Faktor der Geschichte, der Mensch, schafft sich auch die wichtigsten Stücke seiner Umwelt, das soziale Zusammenleben, selbst. Mit dem Rassenwechsel durch Wanderung, Unterwerfung und Mischung ändert sich auch das soziale Milieu, und es ist höchst einleuchtend, dass hierbei der Rassenfaktor das Primäre, die soziale Wandlung das Sekundäre ist. Gewiss ist es ausserordentlich schwierig, zu entscheiden, welche Kulturleistungen eines Volkes auf seine besondere Rassenveranlagung zurückzuführen sind; man wird aber, wie beim einzelnen Menschen, annehmen können, dass grade die höchsten Und am tiefsten in der Persönlichkeit ^wurzelnden Leistungen am ehesten auch in der Rassen - Persönlichkeit verankert sind. Rassen nach ihrem „Wert" zu vergleichen, hat bei dieser Betrachtungsweise ebensowenig Sinn, wie einen Musiker und eisien Chemiker in ihrem „Wert" zu vergleichen. Denn jede ernste Leistung hat ihren besonderen Wert, der mit nichts Ungleichartigem vergleichbar ist. Deswegen bleibt es doch eine Aufgabe von hohem Reiz und grosser Bedeutung, den besonderen Veranlagungen und Leistungen der einzelnen Rassen und Völker nachzuspüren. Grade für für solche Untersuchungen ist wieder das jüdische Volk vielleicht der bedeutendste Gegenstand. So wechselvoll sein Schicksal, so tausendgestaltig seine Umwelt, im Verlauf seiner Geschichte ist, durch alle Jahrhunderte zieht sich — das? fühlen wir, auch bevor wir es klar aufzeigen können — der rote Faden einer besonderen geistigen Einstellung, einer legende Standpunkt von Hertz, aus einer der Vergangenheit angehörenbesonderen Art, die Dinge der Welt zu sehen, zu beurteilen und zu ge-

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