Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 1 (10.10.1919)
- Article
- Rasse und Kultur
- Date
- 1919-10-10
- Page
- Seite 15 (sequence 5)
- Language
- German
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15 auftritt. Auch der Rundkopf der Juden ist natürlich keine Form, die bei ihnen allein zu finden ist; charakteristisch für sie ist aber die Prozentzahl, in der er bei ihnen auftritt, im Gegensatz zu den sie umgebenden Rassen. Sehr merkwürdig ist es, dass Hertz anscheinend die Mend eischen Vererbungsgesetze, deren Studium heute die gesamte Biologie beherrscht, gar nicht kennt (wie übrigens auch Zollschan). Sonst wäre eine Behauptung, wie die S. 66, dass die Augenfarbe sich keineswegs sicher vererbt, ganz undenkbar. Gerade dieser Fall gehört nach den Untersuchungen Davenports zu den klarsten und schönsten Belegen für die mathematisch strenge Vererbung menschlicher Eigenschaften. .— Achnlich werden wir zweifellos in wenigen Jahren über die Vererbung der Haarfarbe unterrichtet sein; und wenn erst auch die Schädclfqrtn, die Körperproportionen, die Hautfarbe usw. nach Mendel'sehen Prinzipien untersucht sein werden, dann wird ein neues Zeitalter der Anthropologie und Rassenforschung begonnen haben. Es'gibt, wie wir eingangs sagten, auf Erden wohl kaum eine „reine Rasse", aber es gibt Gruppen von Menschen mit einer für sie typischen Rassenmischung. Eine solche Gruppe sind die Juden. Hier liegt auch der tiefere Grund für den eigentümlich negativen Standpunkt von Hertz und anderen Apologeten. Da man die Juden als Rasse angreift, bemüht er sich zu zeigen, dass sie überhaupt keine „Rasse" sind; und wenn sie es nicht sein sollen, darf es überhaupt keine Rassen geben, denn die Juden sind durch ihre jahrtausendelange relative Reinhaltung und Abschliessung eine der bestcharakterisierten Gruppen überhaupt. Aber Apologetik ist in der Wissenschaft ein schlechter Berater, und der Hertz'sche Standpunkt ist ebenso unhaltbar wie der von Fisch berg, der sich nach eigenem Eingeständnis von diesem unwissenschaftlichen apologetischen Gesichtspunkt leiten lüsst. Diese negativen Rassentheoretiker, die ohne Gobäneau und Chamberlain wohl kaum existieren würden, sind nun genötigt, da sie das Vorhandensein von Rassenunterschieden doch nicht gänzlich leugnen können, diese Unterschiede durch Einflüsse des „Milieus'* zu erklären. So kommen sie notwendig dazu, eine „Vererbung erworbener Eigenschaften" anzunehmen, eine Hypothese, die nach dem heutigen Stande der Wissenschaft als unwahrscheinlich' bezeichnet werden muss. Es ist hier nicht der Ort, darauf näher einzugehen. Sehr fein aber hat Lenz bemerkt, dass die Vertreter dieser Hypothese meist Juden sind (ich nenne Semon, Kammerer, Zollschan, Hertz). Man wird jetzt begreifen, warum das so ist: aus missgeleitetcr Apologetik des Judentums gegen die Rassentheorie. Der Grundgedanke der Rassentheorie aber, dass für die Kulturleistung einer Rasse, die in ihr ruhenden erblichen Eigenschaften das wichtigste Moment sind, ist ebenso unabweisbar und selbstverständlich, wie die Bedeutung der Anlagen des Einzelmenschen für seine geistigen Leistungen. Der Einzelmensch kann durch Erziehung und Umwelt unterdrückt und aus der Bahn geworfen, gefördert und gehemmt werden; aber seine positiven Leistungen sind bedingt und begrenzt durch seine