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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-10 · Heft 1 (10.10.1919) · p. Seite 14

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 1 (10.10.1919)
Article
Rasse und Kultur
Date
1919-10-10
Page
Seite 14 (sequence 4)
Language
German
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14 Rassentheorien. Zollschans Buch mag hier ausser Betrachtung bleiben; es ist im wesentlichen eine fleissige, aber vielfach unkritische Kompilation, und da, wo es {grundlegende Oedanken fortlaufend durchführt, sind diese recht anfechtbar, so die Theorie von der Vererbung erworbener, Eigenschaften, von der rationalen Intelligenz: als der potentiellen Quelle aller geistigen Fähigkeiten, von der Rolle des Weltverkehrs. Wir wollen uns jedoch ausführlicher mit dem Buche von Friedrich Hertz»1) beschäftigen, weil seine methodischen Mängel, zusammengehalten mit den oben erörterten der Rassentheoretiker, den Weg zu einer sachlichen Stellungnahme gegenüber den schwierigen und doch so interessanten Problemen der Rassentheorie weisen. H ertzs Kritik der Rassentheorie ist im wesentlichen eine negative; er nimmt zu den von ihr vertretenen Anschauungen einen gegensätzlichen Standpunkt ein und glaubt sie damit am besten erledigen zu können. Aber es ist klar, dass eine zusammenhängende, positive Meinung über diese Probleme so nicht zu gewinnen ist. Sehr klar zeigt sich dieser Mangel bei den anthropologischen Fragen. Die Rassentheorie nimmt die Existenz von einander unterschiedener Rassen an; also bemüht sich Hertz zu zeigen, dass alle bisher geltend gemachten Unterschiede keine absolute Bedeutung haben, dass Uebergänge zwischen den vermeintlichen Rassen vorkommen, und dass innerhalb der Rassen zuweilen die Differenzen grösser sind als zwischen einer Rasse und der anderen. Aber was beweist das? H'ertz will zuviel beweisen, und beweist darum nichts. Er musste nämlich folgern, dass es überhaupt keine' Rassenunterschiede innerhalb der Spezies Mensch gibt, und darin wird ihm niemand folgen. Ein Neger ist ein Neger und kein Weisser, auch wenn Hertz (S. 36) vom Abblassen der Neger im nordischen Klima oder von der Indianisierung der Weissen in Amerika (!) als einer „reich belegten Tatsache" spricht. Als ein Zeichen des Dilettantismus und der aus ihm entspringenden Unmöglichkeit eindringender Kritik) ist es überhaupt zu betrachten, dass Hertz Behauptungen, die ihm zusagen, auch bei fadenscheinigster Begründung übernimmt. So ist für ihn die Bildsamkeit der Schädelform unter dem Einfluss des Milieus, der Beschäftigung und der 'geistigen Tätigkeit (!) eine „Tatsache", mit der er die ganze Anthropologie glaubt umwerfen zu können. So meint er auch (wie Judt, Zollschan u. ar), bei den Juden habe der runde Schädel den „traditionellen langen Semitenschädel" verdrängt, und zwar nicht durch Rassenmischungen (S. 45); fehlt „nur1 'jede Spur eines Beweises, dass sie den langen Schädel je besessen haben, und dass keine Mischungen vorgekommen sind. Der Grundfehler bei Hertz ist der: Es gibt in der Tat kein einziges Rassenmerkmal, das bei einer Rasse ausschliesslich und bei anderen gar nicht vorkommt. Das Entscheidende liegt vielmehr in der Verteilung der Typen und ihrer Häufigkeit. Der „Mongolenfleck" kommt auch bei europäischen Kindern vor; und doch ist er für gewisse mongolische Rassen Charakteristisch, weil er bei ihnen in überragender Häufigkeit 1) Dr. Friedrich Hertz; Rasse und Kultur. Leipzig. Alfred Kröner. 2. Aufl. 1915.

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