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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-10 · Heft 1 (10.10.1919) · p. Seite 13

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 1 (10.10.1919)
Article
Rasse und Kultur
Date
1919-10-10
Page
Seite 13 (sequence 3)
Language
German
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13 mann durch seine Studien über die Rolle des germanischen Elementes in der Kultur Italiens, Frankreichs und Spaniens. Die übrige Literatur, obwohl an Masse gewaltig, ist wissenschaftlich durch den völligen Mangel ernster queJlenmässiger Untersuchungen so gut wie wertlos. Eine grosse Rolle spielten für die Rassentheorie von Anfang an die Juden. Das ist an sich durchaus begreiflich. Denn das jüdische Volk ist durch seine eigenartigen Schicksale und seine bis zurück zu seinem - Eintritt in die sesshafte Kultur ziemlich gut bekannte Rassengeschichte das hervorragendste Objekt für anthropologische und rassentheoretische Untersuchungen, für Studien über Vererbung und Rassenanlagen sowohl wie für den Einiluss von Mischung, Klima, Wanderung, „Milieu". Die Rassentheoretiker aber haben sich infolge ihrer immer stärker hervortretenden Germanomanie nur in einer bestimmten Richtung mit den Juden befassi: indem sie sie dem Germanentum als Gegenbeispiel gegen, überstellten, wie dem Licht die Finsternis, den Engeln die Teufel, dem guten Prinzip das böse. Diese mit wissenschaftlich klingenden Redensarten verbrämte, aber auf volkstümliche antisemitische Instinkte zurück, gehende Methode hat ihren vollendetsten Ausdruck in dem grossen Buche H. St. Chamberlains „Die Grundlagen des 19, Jahrhunderts" gefunden. Die bösartige Judenfeindschaft dieses Autors bringt es zustande, dass das ganz glänzend geschriebene Buch eigentlich nichts weiter ist als ein riesiges Pamphlet gegen die Juden. Drei Fünftel des ersten Bandes handeln direkt* von ihnen, und in den übrigen Teilen werden sie noch oft genug erwähnt. Die Juden sind bar jeder originalen Schöpferkraft; wo sie doch etwas leisten, ist das irgendeinem Tropfen „germanischen" Blutes zu danken. Jesus ist ein Germane, Saul, David und Salomo sind Germanen. So entsteht ziemlich das tollste Zeug, das je durch die Druckerpresse gegangen ist, und spätere Geschlechter würden ein sonderbares Bild von der deutschen Kultur am Ausgang des 19. Jahrhunderts bekommen, wenn ihnen durch einen deutschfeindlichen Zufall nur dies Werk eines englischen Renegaten erhalten wäre. Dabei wimmelt das Buch so von den ungeheuerlichsten Widersprüchen, dass es eine Quai ist, sich hindurchzuarbeiten. Es ist sehr begreiflich, dass auch von jüdischer Seite der Versuch gemacht worden ist, diesen Auswüchsen der Rassentheorie entgegenzutreten. Das ist im ganzen nicht mit sehr viel Glück geschehen. Ein Werk wie das Chamberlains lässt sich nicht mit Logik und mit Tatsachen widerlegen, weil es nicht auf Logik und auf Tatsachen aufgebaut ist. Es genügt zu seiner Aburteilung, seine methodische Wertlosigkeit aufzuzeigen. Deshalb erscheint mir als die schneidendste Abfertigung Chamberlainsdie unter dem Signum H. M. C. (Heinrich Mayer Cohn) 1901 erschienene Kritik, die seitenlang Chamberkün gegen Chamberlain sprechen lässt und in geradezu belustigender Weise zeigt, wie dieser eigenartige Rassenapostel da, wo es ihm in den Kram passt, "genau das Gegenteil von dem sagt, was er an anderer Stelle behauptet hat. — Die beiden umfangreichsten jüdischen Werke, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, die Bücher von Zollschan und von Hertz üben von einer breiteren Basis aus Kritik an den (ganzen 'modernen

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