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Neue jüdische Monatshefte · 1919-10-10 · Heft 1 (10.10.1919) · p. Seite 9

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1919-1920
Issue
Heft 1 (10.10.1919)
Article
Die Gestaltung der jüdischen Dinge in Posen
Date
1919-10-10
Page
Seite 9 (sequence 5)
Language
German
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9 erledigt geblieben. Zwei Mächte haben hier häufig dem guten Willen und auch wohl der besseren Einsicht der Naczelna Rada Ludowa entgegen gewirkt. Es sind dies einmal 'die untergeordneten örtlichen Verwaltungsstellen und sodann die Militärbehörden. Der Kampf zwischen den Grenzen der Zivilmacht und den Militärbehörden ist hier noch nicht ausgefochten. Die Militärmacht hat namentlich, solange an der Demarkationslinie noch gefochten wurde, aus militärischen Interessen Massnahmen getroffen, die tief in die Rechte der Zivilverwaltungi eingreifen mussten. Aber auch die untergeordneten Verwaltungsstellen, Starosten und Polizeibehörden, benutzen noch vielfach den jetzigen Zustand, in dem es noch keinen geordneten Verfahrensgang und keine scharfe Abgrenzung der Zuständigkeiten gibt, um ihren Willen unbedingt zur Ausführung zu -bringen.* Darunter haben die Juden vielfach zu. leiden, und es sei In diesem "Zusammenhange an die Fälle der Erhebungen von Kontributionen, an die Internierungen^ an das Verlangen von, Kautionen erinnert. Zu dem Deutschen Volksrat sind die Beziehungen der Juden durchaus korrekt. Soweit gemeinschaftliche Interessen vorhanden sind, wird von beiden Seiten gemeinsam vorgegangen, wenn auch im getrennten Marsch. Die Deutschen, die im Deutschen Volksrat organisiert sind, erkennen es durchaus als berechtigt an, dass die Juden hier zur Wahrung ihrer besonderen persönlichen und nationalen Rechte sich im Jüdischen Volksrat organisiert haben. Aber es gibt immer noch eine Gruppe von Juden, die dem Jüdischen Volksrat nicht nur fern stehen, sondern ihn auch bekämpfen. Diese Gruppe kann in dem Jüdischen Volksrat immer nur noch den Parteigegner im innerjüdischen Kampfe erblicken. Soweit sie im Deutschen Volksrat massgebend ist, wird ein geschlossenes Zusammengehen nicht möglich sein, auch soweit es sich um Fragen handelt, in denen beide nationalen Minderheiten sehr gut zusammen gehen könnten und sogar müssten. Wenn die Juden des Deutschen Volksrats nicht allmählich auch zu der Einsicht gelangen, dass die jüdischen Interessen nur von der organisierten Vertretung der Judenschaft wahrgenommen werden können, dass aber diese jüdischen Interessen sehr oft parallel den deutschen Interessen laufen, die am besten die Deutschen unter eigener Führung vertreten können, werden sie nicht nur die jüdischen Interessen schädigen, sondern auch die deutschen gefährden. Dieser kleinen Gruppe von Juden ist das Verständnis für die Minderheitsrechte noch nicht aufgegangen. Noch immer wollen sie nicht anerkennen, dass die Juden im Lande eine nationale oder religiöse —* auch das letztere reicht nach dem Staatsvertragc vom 28. Juli 1919 aus — Minderheit bilden, der in diesem Staatsvertrage Rechte zugeschrieben sind, die auszuüben zugleich auch eine politische Pflicht dieser Minderheit darstellt. Noch immer stellt sich diese kleine Gruppe der Juden auf den Standpunkt derjenigen, eie eine jüdische Minderheit nicht aberkennen wollen, und die nur Deutsche und Polen als Bevölkerungsklasse sehen und dulden wollen. Während die ganze Welt die Juden als religiös-nationale Minderheit anerkennt; ist es diese kleine Gruppe von Juden selbst, die glaubt, durch ihr Bestreiten die Existenz der jüdischen Minderheit aus der Welt schaffen zu können.

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