Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 1 (10.10.1919)
- Article
- Die neutralen Juden und die Weltpolitik
- Date
- 1919-10-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 sehen Hintes besessen, die Urkantone sind völlig ohne jüdische Bevölkerung, tum Beispiel zählt tfer Kanton Uri im ganzen zwei Juden, und 'to 'Kanton Unterwarden leben Juden überhaupt nicht Erst im vorigen Jahre wurde in . Sofuthurnt der erste Jude in den Nationalrat gewählt, und die Beamtenschaft ist po gut. wie ausschliesslich christlidi. Der Schweizer ist auch nicht jso tolerant wie der Holländer. Er hasst zwar den Juden nicht, lasst 'ihn ungestört mit demokratischer Selbstverständlichkeit leben und arbeiten. Aber er hat ein schärferes Auge als der Holländer für das.'Fremdartige, das Andersrassige. Er'respektiert den Juden nicht, der den massgebenden Kreisen $es Landes keineswegs gesellschaftlich gleichgestellt erscheint. Er ist für ihn der Zugezogene, Geduldete, über den er hinweg sieht. Ein starkes Anwachsen jüdischer Gemeinden in der Sdrweiz. würde, wie ich glaube, eine, unfreundliche Reaktion des Volksempfindens nach sich ziehen. Selbst reichen und kulturell hochstehenden Familien gelingt das Eindringen in die Gesellschaft nicht, und1 auch der politische Einfluss; der Juden ist höchst unbedeutend.* So kommt es, dass die Behörden sich wohl aus allgemeinem Menscblichkeitsgefühl und' demokratischem Empfinden der Juden annehmen, dass sie für die in anderen Ländern leidenden Juden Mitleidsempfindungen hegen, dass sie at>er im übrigen jüdischen Angelegenheiten ganz fremd gegenüberstellen, Wenn also das holländische Judentum eine gewisse Rolle im internationalen Verkehr zu spielen vermag^ so isft das bei der Schweizer Judenheit vorlaufig nicht der Fall. Da die Schweiz das Asylrecht seit jeher überaus hochgehalten hat, "können fremdländische oder eingebürgerte Juden dort Komitees bilden Und Beschlüsse fassen. Sie können auf die Unterstützung der Presse in allen humanitären Fragen rechnen, und aus allgemeiner theoretischer Gerechtigkeitsliebe gegenüber a I1 e n Völkern auch für die Rechte der Juden als Minorität oder als< nationale Gemeinschaft Interesse finden. Aber als Teil der Schweizer Bevölkerung, als Schweizer Bürger kommen sie internationar Ücaum in Betracht. Das dänische Judentum ist zahlenmässig schwach^und dort ist sein Einfluss auf die persönliche Stellungnahme einiger bedeutender Schriftsteller, wie etwa Georg Brandes, beschränkt. — Das spanische Judentum 2st zahlenmässig ganz 'unbedeutend und übt keinerlei Einfluss aus, da Juden bis vor "wenigen Jahren in Spanien überhaupt nicht wohnen durften. Die spanische Regierung hat später aus politischen Gründen mehrmals zur Einwanderung aufgefordert und sich auch der* sephardischen Juden im Orient, zum Beispiel derer von Saloniki, bei Unruhen durch Entsendung eines Kriegsschiffes angenommen, aber für eine Vermittlerrolle kommt es nicht in Betracht und wird es auch in absehbarer Zeit nicht in Betracht kommen können. So bleibt dem holländischen Judentum, dem ja auch eine grosse ■Anzahl zurzeit in Amerika Wirkender, im Vordergrunde• stehender Persönlichkeiten entsprossen sind, wie zum Beispiel Samuel Oompers, für die Zukunft immerhin eine nicht unbeträchtliche Rolle für die Wiederbelebung der internationalen Beziehungen vorbehalten. Schon Jetzt bildet Holland den Treffpunkt zahlreicher Juden aus Amerika, den alliierten ■Ländern und denen Mitteleuropas, die dort alte Handels- oder Familien-