Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1919-1920
- Issue
- Heft 1 (10.10.1919)
- Article
- Die neutralen Juden und die Weltpolitik
- Date
- 1919-10-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 beziehungen wieder anknüpfen, sich *uber die Verhaltnisse in den verschiedenen Ländern aussprechen und zur gegenseitigen Verständigung beitragen. Man sieht hier 'jetzt stehon oft deutsche, belgische, amerikanische uncs englische Juden am gleichen Tisch vereint, und wenn auch «die politischen Verhältnisse vielfach noch friit Vo'rsidit berührt werden, so Kommen doch oft genug .die internationalen Gesichtspunkte zur Sprache, und man fängt an zu begreifen, dass subjektiv jedes der, ■kriegführenden Völker im Recht gewesen ist, weil es im Recht zu sein glaubte. Man* begreift die Schuld alCer Regierungen an der Weltkatastrophe und c:e Notwendigkeit des Ausgleichs und der Verständigung, um neuem Elend künftiger Generationen vorzubeugen. Juden verstehen das alles leichter als die anderen Angehörigen bisher feindlicher Staaten, weil die Beweisführung aus dem Munde von Blutsverwandten und Freunden kommt, weil sie instinktiv ja 'alle stets den Krieg hassten. Man hat ihnen diese Friedlichkeit der Gesinnung früher oft zum Vorwurf gemacht, jetzt wird sie vielleicht der hartgeprüften Menschheit zum Segen dienen. Nicht wenig wird dazu 'auch der Umstand beitragen, dass zahTzreiche Konferenzen über die 'Zukunft der zionistischen Bewegung in Palastina hier stattfinden, dass im Haag der Sitz des Jüdischen Nationalfonds sich* befindet, der eine rege Korrespondenz nach allen Weltteilen unterhält und an dessen Verwaltung so viele einffussreiche Persönlichkeiten aus aller Herren Länder teilnehmen. Je mehr die holländische Judenheit wieder in Beziehungen zum Deutschtum kommt, desto mehr Svird auch ihr Interesse am internationalen Ausgleich gesteigert, ist doch Holland ein Kaufmannsland, der natürliche Vermittler der Güter zwischen 'Innereuropa und Uebersee. Für Holland ist es eine Lebensfrage, 'dass die alten Beziehungen der bisher feindlichen Staaten sich wieder anbahnen, denn, wenn Holland der Mund ist, der die Nahrung empfängt, so ist Innereuropa der Körper, der sie in sich aufnimmt. „Wenn der Körper krank ist, kann der Mund nicht essen", äusserte sich kürzlich eine sehr angesehene Persönlichikeit. Infolgedessen sehen wir heute bei allen den zahlreichen Versuchen, auf wissenschaftlichem und kaufmännischem Gebiet, einen Ausgleich herbeizuführen, holländische Juden an hervorragender Stelle wirken. Und je mehr die schwarze Liste verschwindet, der wirtschaftliche Druck der Entente auf die Neutralen nachlässt, wird dieses Verhältnis deutlicher in die Erscheinung treten. Die Gestaltung der jüdischen Dinge in Posen Von Dr. M. Köllen scher ie-Juden der Provinz Posen haben mehr als ein Jahrhundert zum preussischen Staate gehört. Als deutsche Juden haben sie das Zeitalter der Emanzipation erlebt; in Deutschland haben sie die modernen politischen Entwicklungen des Zeitalters durchgemacht mnd sich innerjüdisch nach Parteien gruppiert, sich der Orthodoxie, der Assimilation oder dem nationalen Judentum angeschlossen. Mit den deutschen Juden waren sie somit zu einer Einheit verschmolzen. Dies zeigt sich auch in ihrer sozialen Schichtung und wirtschaftlichen Lage. Des