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Neue jüdische Monatshefte · 1919-09-10 · Heft 23-24 (10.9.1919) · p. Seite 501

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 23-24 (10.9.1919)
Article
Jüdische und europäische Politik
Date
1919-09-10
Page
Seite 501 (sequence 6)
Language
German
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501 Amerika, Japan und England, und die nächste Weltkatastrophe, deren Vorbereitung wir heute bereits schrittweise registrieren können, wird ein überkontinentaler Weltkrieg sein. Es war ja überhaupt der grosse Irrtum der deutschen Politiker, dass sie die Welt noch als eine europäische Angelegenheit betrachteten und weder Amerika noch Japan ins Kalkül zogen. (Von den 35 überseeischen Kleinstaaten, deren Kriegserklärung nie begriffen wurde, ganz zu schweigen.) Das Dimensionale des Weltkrieges kam für sie, die doch alle Einzelheiten so genau vorbereitet hatten, daher völlig überraschend. Sie glaubten, es nur mit England und einigen kontinentalen Nachbarn zu tun zu haben und verabsäumten es daher, bevor sie zur überkontinentalen Auseinandersetzung mit England schritten, sich die Gefolgschaft des Kontinentes zu sichern. Kontinentalpolitik, wie sie von Bismarek (durch den Dreibund und die Konventionen mit Russland und Rumänien) in die Wege geleitet, von Wilhelm II, und insbesondere von Bülow in der dilettantischsten Weise wieder aufgeopfert wurde, hätte das kontinentale Europa einer grossen Zukunft entgegengeführt. Was aamals diplomatisches Erfordernis einer Grossmacht war, ist heute Lebensnotwendigkeit aller europäischen Staaten. Wenn Europa nicht bei allen künftigem Auseinandersetzungen völlig ausgeschaltet werden will, wenn die Staaten Europas nicht auf das Niveau der südamerikanischen Kleinstaaten sänken wollen, muss im ' Laufe der nächsten 50 Jahre die kontinentale Einheit der Vereinigten Staaten von Europa geschaffen werden. Es handelt sich also, auch aus Gründen der reinen Realpolitik darum, die Reibungsflächen zwischen den europäischen Völkern zu glätten. Das ist nur möglich, wenn man dem territorialen Problem seine Schärfe nimmt und den Kampf um die Grenzpfähle mildert. Einen grossen Fortschritt im Sinne dieser Entwicklung wird es bedeuten, wenn das Wort vom Nationalstaat endgültig aus der politischen Terminologie beseitigt und durch das Wort vom Nationalitätenbund ersetzt wird. Fremdherrschaft, im Zeitalter der Wanderungen nirgends zu vermeiden, kann nur dadurch ihres Giftstachels beraubt werden, dass sich alle Völker zur gemeinsamen Arbeit vereinen. Statt dass die Tschechen die Deutschen, die Deutschen in Oesterreich die Tschechen unterdrücken, müssen sich beide als gleichberechtigt in die Verwaltung des gemeinsamen Gebietes teilen. Deutlich zeigt sich bereits heute, dass man in Oesterreich- Ungarn nur die Monarchie, nicht die Idee zu vernichten vermochte. Das Wort des " alten Palacky: „Wenn Oesterreich nicht bestünde, müsstc es geschaffen werden", bewahrheitet sich heute in solchem Masse, dass man bereits mit einer Wiederauferstehung des Reiches in Form einer Donauföderation zu rechnen hat. Aber es wäre ein Irrtum, darin nur ein österreichisches Problem erblicken zu wollen: es ist das europäische Problem an sich. Und ob man es in Wien die Föderativpolitik, in Berlin die Kontinentalpolitik nennt, bleibt sich Völlig gleich. Der jüdische Nationalismus steht im Dienste dieser Politik. Solange die jüdische Politik noch durch die jüdische Assimilation repräsentiert wurde, war es nicht der Fall. Die jüdischen Assimilanten waren

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