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Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-25 · Heft 22 (25.8.1919) · p. Seite 482

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 22 (25.8.1919)
Article
Die Kritik am Zionismus
Date
1919-08-25
Page
Seite 482 (sequence 5)
Language
German
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480 nationalen Wirklichkeit gleichsetzt wird. Nie und mit keinen Mitteln kann der Besitz der Lehre, kann der wahre Inhalt tfes Judentums zum Teilstück (und wäre es das grösste) einer NationaIfcu.ltur gemacht werden." In diesem ausführlichen Zitat, das uns gedanklich und sprachlich so einheitlich und geschlossen erschien, dass wir nur durch wörtliche Wiedergabe dem Verfasser gerecht zu werden vermeinten, liegt die Quintessenz dessen, was S t r a u s s gegen den Zionismus zu sagen hat. Und es fragt sich nun, was vom zionistischen Standpunkt aus darauf geantwortet werden kann. Zweifellos richtig scheint den meisten von uns bereits heute die historische Parallele zwischen Assimilation und Zionismus als konsequente Erscheinungen ihrer Zeit. Die Verachtung der nachmendeissohnfccaicn Epoche, der Hohn auf ihre „Assimilation" ist begreiflich ,im polemischen Kampf des jungen jüdischen Nationalismus, steht aber dem Zionismus von heute nicht mehr an. Nicht, dass die Väter Assimilanten waren, darf uns als Makel erscheinen, sondern dass die Söhne es noch sind. Es wäre törkiht und uneinsichtig', die Abhängigkeit auch unserer Denkform von der Uniformität des Zeitgeistes leugnen zu wollen. Aber wenn Strauss daraus die Minderwertigkeit des Zionismus als Mitte] zum Zweck der Vereinigung von Judentum und Judenheit ableitet, — dann muss dodi die Frage erhoben werden: wann und wo hat der Zionismus den Anspruch erh.oben, diesesMittel zu sein? Ist es überhaupt denkbar, dass irgendeine Bewegung im Judentum da/auf abzielen könnte? Und endlich: wann und wo ist diese höchste Vereinigung zwischen Judentum und Judenheit je Tatsache gewesen? Der politische Zionismus hofft die ökonomische und politische Judennot zu lösen, — und audh eine Teillösung wird schon /von grossem Segen sein. Der geistige Zionismus erhofft für die jüdischen Menschen der Zukunft die Einheitlichkeit ihres Wesens, die Harmonie ihrer Persönlichkeit. Nie und nirgends hat der Zionismus für sich in Ansprudh genommen, eine Lösung der Judentumsfrage in einem wie immer gearteten religiösen Sinne zu sein. Wenn Strauss sagt, der Zionismus berge eine innere Krisis, so ist man erstaunt, dieses Argument gegen uns gerichtet zu sehen. Weiss Strauss Irgendeine geistige Bewegung 2u nennen, die nicht den Widerspruch in sich trüge und mit sich wachsen Hesse? Ist es . midit vielmehr das Kennzeichen allen geistigen Wachstums, dass es zwischen den Polen sich bewegt — beinahe mit einer mathematisch errechenbaren Gesetzmässigkeit? Dass der des rationellen Denkens müde Geist sich &m Irrationalen berauscht, um wieder aus dem Gefühlsüberscliwang hinüberzuwechseln in die krystaliklare Kälte der unbestechlichen Logik? Welcher Zionist von ernsthaftem Denken wollte leugnen, dass die methaphysischen Bedürfnisse derer nach uns andere sein werden, als die unseren, umso schneller und umso gründlicher andere, je eher und gründlicher die Wünsche unseres „natürlichen" Lebens' erfüllt werden?

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