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Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-25 · Heft 22 (25.8.1919) · p. Seite 480

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 22 (25.8.1919)
Article
Die Kritik am Zionismus
Date
1919-08-25
Page
Seite 480 (sequence 3)
Language
German
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478 . Hierzu ist zu sagen, dass diese Periode des Zionismus zweifellos fcestanden hat, und dass bei den einzelnen Individuen, die sich der zionistischen Anschauung inähern, die negative Kraft des Ressentiments sidi wohl fetets mehr oder .weniger bemerkbar machen wird. Es dürfte aber doch nicht übersehen werden, dass/ wenn besonders in den Kreisen der jüngeren Zionisten die scheinbare Bejahung antisemitischer Behauptungen einen entscheidenden Einfluss ausübt, dies viel weniger als eine Uebereinstimmung mit dem Antisemitismus aufzufassen ist, wie als Reaktion gegen jene so sehr unwürdige Propagandaphilosophie der jüdischen Assimila,nten, die es für nützlich und notwendig halten, jede von antisemitischer Seite erhobene Behauptung ohne weiteres zu verdammen, nicht weil sie falsch, sondern weil sie antisemitisch ist. Und gera.de einem so guten Kenner der Bewegung wie S t r a u s s sollte es nicht entgangen sein, wie schnei! sich gerade die jungen Zionisten von diesen Gedankengängen emanzipieren und wie sehr ihnen ihr Judentum nicht nur als natürliche Eigenart erscheint, sondern auch als geistige Verpflichtung. Je mehr die Organisation sich entwickelt, je' mehr sich in ihr ein jüdisches Innenleben ausbaut, das automatisch immer mehr Reibungsgelegenheiten mit der nichtjüdischen Umwelt ausschaltet, je mehr die zionistische Jugend Wertungen ablehnt, die ausserhalb dieses jüdischen Kreises liegen, eine desto geringere Rolle wird das jüdische Ressentiment als äussere Judennot spielen. Fast erweckt es den Eindruck, als hätte sich Strauss verleiten lassen, einen gewissen Typus unter den jüngeren Zionisten, der a,ber wahrlich nicht allzu häufig ist, für den zionistischen Typus an sich zu nehmen. Und noch. einmal sei betont, was bisher noch nirgends beachtet zu sein scheint: dass der „Ressentiment-Zionismus" nicht so sehr eine Folge des Antisemitismus, afs vielmehr eine solche der Abwehrpsychose darstellt. Für Strauss selbst sind diese negativen Wertungen viel weniger wichtig, als der positive geistige Inhalt des Zionismus. Der Kulturzionismus erscheint ihm als das Bestreben» die Einheit zwischen Judentum und Judenheit wieder herzustellen, und so die Judenfrage im höchsten geistigen Sinn zu lösen. Und, von dieser Voraussetzung ausgehend, verwirft er den Zionismus als ein untaugliches Mittel zum erhabenen Zweck. Die Wiedervereinigung von Volk, Land und Sprache, ja selbst das Wiedererstehen einer jüdischen Kultur geben ihm noch keine Gewähr für die Erfüllung des jüdischen Gedankens, — höchstens könnten sie ihm als Beweis dessen gelten, dass dieser jüdische Gedanke eine Illusion gewesen ist, die zunichte wird im1 Augenblick, in dem das jüdische Volk sein „natürliches" Leben wieder beginnt. Daran hindert nicht der religiöse Charakter der Sehnsucht nach geistiger Erneuerung, denn sie ist durchaus subjektiv. „Vom »Blute* und von den »Instinkten* her, die als Urquellen des jüdischen Geistes bejaht werden, reisst sie das Ganze des Judentums aus seiner Wundergeschichte, aus der Bahn seines Schicksals heraus, um in einem fast ekstatischen Extremismus diese Geschichte gleichsam von vorn zu beginnen.« .... Der Subjektivismus des Anhebens schlägt (auch im Religiösen) in einen äussersten Naturalismus um. Er sucht die Verwirklichung und Vollendung in dem naturhaften

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