Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 22 (25.8.1919)
- Article
- Jüdische Politik
- Date
- 1919-08-25
- Page
- Seite 476 (sequence 4)
- Language
- German
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474 der jüdischen Einheit sind zu jeder Zeit nicht die sehr vergänglichen Grundsätze einer von der Umwelt abhängigen Politik gewesen, sondern die schlichten religiösen Wahrheiten des Gottesglaubens, des Gottesgesetzes und der messianischen Zukunft. Und wer an diesen Grundsätzen festhielt, verliess den Boden der Einheit nicht, selbst wenn sein Denken und Handeln gegen die Dogmen verstiess, die von den Machthaber« der Zeit als angebliche Forderungen des Judentums verkündet worden waren. y Es!muss «einmal energisch Front gemacht werden gegen jene UdjerhQbungt die das echte Judentum gepachtet zu haben glaubt und von der Höhe der Einbildung herab über den Wert der jüdischen pesinnungen anderer zu Gericht sitzt, Wollten wir ähnliche Wege einschlagen, so könnten wir mit demselben — vielleicht mit .weit mehr — Recht die Nationaljuden Verräter schelten, denn wir glauben, mit nicht ganz schlechten Gründen gezeigt zu haben, dass eine konsequente nationaljüdische Politik die Judenheit in einem religiösen und einem nationalen Tel! spalten und demnach die „jüdische Einheit sprengen mussu. Wir verzichten darauf, uns das Urteil der Weltgeschichte anzumassen und i achten jede ehrliche Meinung. Wir dürfen aber auch auf der anderen Seite uns nicht durch solche Schlagworte hindern lassen, das zu tun, \ was unser Gewissen uns als jüdische Pflicht vorschreibt. Eine politische Einheit des Judentums hat es seit dem Reiche I des ersten Tempels nicht gegeben, und dass unsere Zeit sie schaffen | kann, ist sehr zu bezweifeln. Selbst als der jüdische Staat noch be- \ stand, war das Band, das sich um palästinensische, babylonische und | ägyptische Juden schlang, ein rein religiöses. Und so ist es geblieben. Wer sich heute zur jüdischen Religion bekennt, belle ennt sich auch zur jüdischen Einheit, mag er politisch denken wie er wolle, und keiner sollte den moralischen Mut haben, den Anhänger der jüdischen Ewigkeitswerte darum einen schlechten Juden zu schelten, weil er sich zu den vergänglichen politischen Zeitidealen einer Minderheit nicht bekehren will. Es wird heute in den Redaktionen gewisser jüdischer Pressorgane etwas reichlich mit dem geschmacklosen und unwahrhaftigen Argumente operiert, dass der Gegner zionistischer Politik sich vom Judentum trenne," oder ihm, gar in den Rücken falle und es schnöde verrate. Manche Leute gefallen sich in dieser Rolle eines unfehlbaren Weltenrichters, schleudern vom hohen Gipfel eines Redaktionssessels ihre Zomesblitze und spielen weltgeschichtliche Vorsehung. Halb entrüstet, halb belustigt schaut man dieses Treiben an, das mit unumstösslicher Sicherheit entscheidet, was echtes Judentum ist. Jene aber, denen es doch vielleicht Furcht einjagen sollte, und die sich durch den Hinweis auf die bedrohte jüdische Einheit noch immer schrecken lassen, seien auf eine geschichtliche Parallele hingewiesen, die in unseren Tagen aus begreiflichen Gründen des öfteren angeführt worden ist. Als Sabbatai Zwi im 17. Jahrhundert die Juden wieder nach Palästina führen wollte und ihnen die Erfüllung der alten Sehnsucht ver- sprach, raste eine Begeisterung und; ein Taumef durch die jüdische Weit, von