Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 22 (25.8.1919)
- Article
- Jüdische Politik
- Date
- 1919-08-25
- Page
- Seite 475 (sequence 3)
- Language
- German
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473 Grundlage gestellt, und es ist zu hoffen, dass nunmehr, nachdem man über die Neutralität nachzudenken begonnen hat, die Fortentwicklung des Begriffes in einem höheren Sinne sich anbahnt. Die Zukunft wird hoffentlich jene Keime nicht verderben lassen, die in der leider so unglücklich verlaufenen „Verständigungskonferenz4' aller Jugendverbände ins Leben gerufen wurden. Die Entwicklung der Jugendbewegung muss sich um so mehr von den Fesseln befreien, nachdem man ihren Ursprung und Zweck erkannt hat. Gewiss sollen neutrale Vereine fortbestehen, die vornehmlich sich an die sozialen Aufgaben — Jugendheime, wissenschaftliche Fortbildung u. a. m. — halten mögen, daneben aber sollen die verschiedensten Richtungen ihre Gruppen bilden, die durch das Medium der Sonderidee für das Judentum wirken. Die Notwendigkeit der Organisation auf jüdischer Grundlage ist allgemein durchaus anerkannt, mit einziger Ausnahme freilich der a k a d e mi s ch e n Jugend, wo die sogenannten „paritätischen", in Wahrheit aber jüdischen Verbindungen noch immer böse wuchern und jüdische Studenten zum feigen Verleugnen 'ihres Glaubens, zur Gleichgiltigkeit und zum Taufabfall heranziehen. Von dieser einzigen Ausnahme abgesehen, bietet aber die jüdische Jugend Deutschlands das Bild frischen und gesunden Lebens, und Aufgabe einer verstandigen Politik muss es nicht sein, Jnur gleichfarbige matte Blumen ziehen zu wollen, sondern die in den verschiedensten satten Farben leuchtenden Blüten zu einem Strausse zu verbinden. Setzen wir in freier Entwicklung den neutralen Verband an die Stelle des Verbandes der Neutralen! Am Zionismus wird es dann sein, durch seine Taten zu zeigen, ob er allein für Parteiziele oder darüber hinaus für gesamtjüdische Interessen eintreten will. VI. Die jüdische Einheit Angsterfüllt horcht die Mehrheit der deutschen Juden auf alle Urteile von nationaljüdischer Seite über ihr Verhalten, und sobald von der bedrohten jüdischen Einheit die Rede ist, genügt das blosse Wort, um ihre Politik den Wünschen der anderen Seite gefügig zu machen. Wenn man sich ohne lange Ueberlegung, um hier behandelte Beispiele anzuführen, der Kongressidee und der nationalen Autonomie verschrieben hat, so geschah das auch aus dem Grunde, weil die Zionisten behaupteten, dass ein Versagen der Gefolgschaft die Sprengung der jüdischen Einheit bedeute! Und doch ist diese Furcht sehr überflüssig. TDer deutschen Judenheit braucht durchaus nicht bange zu sein, wenn auch die zionistische Presse tagtäglich behauptet, dass jeder Glaubensgenosse sich aus dem Gesamtjudentum ausschliesse, der nicht der nationaljüdischen Parole folge. Alan hat nicht nur-versichert, dass das deutsche Judentum, wenn es das Bekenntnis zum jüdischen Volke nicht ablege, sich selbst dem allmählichen Untergange weihe (!), sondern hat uns sogar elende Verräter an der Sache des Judentums genannt. Wir müssen, werden und können es ertragen! Und unser Gewissen bleibt rein. Die Pfeiler