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Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-25 · Heft 22 (25.8.1919) · p. Seite 470

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 22 (25.8.1919)
Article
Die Mentalität der Sentimentalität
Date
1919-08-25
Page
Seite 470 (sequence 2)
Language
German
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468 Das Geschick Rosa Luxemburgs, Kurt Eisners, Levinds, Landauers — — es Ist beklagenswert, und doch: wenn es sich nicht um Jud^n handelte, so würde die deutsche Geschichte, die deutsche Legende nach Jahrzehnten für Jahrhunderte einen anmutigen Ssgenkranz um diese Menschen winden. Da es aber „nur Juden" gewesen sind, so wird man ausserhalb der Rethen des dankbaren Proletariats an ihren Sterbetagen keine Messe lesen, keinen Kaddosch sagen. Weniger stürmisch ist die Laufbahn von Männern wie Dr. Preuss, SRe&hsjustizmbuster Landsberg u. a. gewesen. Wer sie aber um Ihren raschen Auf- und; noch rascheren Abstieg beneiden möchte, dem 'Manne kann geholfen werden! Jeder, der sich damals auch mir ganz oberflächlich' mit dem Wesen der politischen Umwälzung beschäftigt hat, muss wissen, dass die Revolution" bloss die Massen derjenigen erfasst und erfassen kann, die in wirtschaftlicher, geistiger, seelischer Not oder SkLaverei leben oder zu leben glaub eis. Von einer ihre eigenen Massen erfassenden Revolution der Rentiers, der Gelehrten, der Kirchengeistlichen, hat man nie gehört una ^/ird man nie zu hören bekommen. Nun ist ja in der Tat die Revolution, soweit es! sich um deren Taktik und Strategie handelt, eine Führerfrage. Und die Antisemiten (waren sehr schlau, als sie den problematischen Stier bei diesem Hörne packten. Die jüdische Bourgeoisie Deutschlands ging jenen allerdings 21 ur gar zu leicht auf dieses Glatteis nach, hierbei wiederum weniger von Erwägungen des Verstandes beraten, als von täuschenden Gefühlen %&&■ Stimmungen. Die Revolution ist da! Unter den 700000 deutschen Juden sind sehr viele, die allen Grund haben, mit den politischen Zuständen ihres StiefVaterlandes unzufrieden zu sein, sehr viele, die als Stehkragenuneü sonstige. Proletarier alle Ursache haben, über ihre wirtschaftliche Lage zu murren, sehr viele, die geistig und seelisch* versklavt sind. Die Revo* lution rollt. Sollen die Juden, soll vor allem die jüdische Jugend mit verschränkten Armen abseits stehen? Das ist unmöglich. Also Anteil nehmen, Partei nehmen! Gesetzt den Fall: Die Luxemburg, Levin£, Tolle^ Lan- .dau er, Mühsam, Eisner und wie sie alle heissen mögen, hätten sich bei Ausbruch der Revolution der Reaktion angeboten, und sie wären in gewaltigen Strassenschlachten zwischen dem aufstrebenden Proletariat und der alten Junker- und Offizierskaste auf dieser Seite der Barrikade gefallen, wie würden sie von den Barden des Schlages Revent low gefeiert und gepriesen worden sein! Und erst recht, wenn jene Juden, der Reaktion dienend, als Fahrer gegen die Revolution dahingesunken wären! Denn das ist doch nur ein billiges Agitationsmätzchen, auf das der biedere Durchschnittsdeutsche ebenso glatt hineinfällt wie der Durchschnittsjude: Wenn bei politischen Umwälzungen dieser und jener zu den Revolutionären geht und in den Reihen dieser kämpft, so kann man ihm vom entgegengesetzten Standpunkt aus das zum Vorwurf anrechnen. iNicht.Aber darf ein loyaler Feind besonderen Vorwurf daraus konstn*-

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