Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 22 (25.8.1919)
- Article
- Die Mentalität der Sentimentalität
- Date
- 1919-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Meine- Zeifechrifi für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West Erscheint swclmal Im Mona! unter Mlfarfrkung von Alesander Eilasberg / Dr. Adolf Friedemann Geh, Jwämtilt Dr. Bugen Fuchs / Prof. Dr. Frans Oppenhesnacr ' MftibegrÜndeft voa Hermann Cohen tifiiiimmmmummMmmmmmrwiimifmm^ III. Jahrgang 25. August 1919 Heft 22 niuiuiiifitiimiiMiiiMiiiiiiiiiitiiuitiiinim^ Diese Zeitschrift ist ein offener Sprechsaal für Jedermann. Für den Inhalt der Artikel übernehmen die Autoren selbst die Verantwortung ummuiiiiminnHimmimnmiiimm!]^^ Alle redaktionellen Sendungen wolle man &n Herrn Dr. Wlad. W. Kaplun-Kogan, Breslau 16, Auenstr. 13, richten Die Mentalität der Sentimentalität Von Georg Davidsohn, M. d. N., Berlin er Krieg hat die Deutschen lit ihrer Mehrheit brutaT, der Kiedesrbruch hat sie sentimental gemacht. Den Juden liegt Brutalität im allgemeinen nicht, und so haben sich denn die deutschen Juden in den Brutalitätstaumei (abgesehen von Er- Sverbs-Brutalitäten als Begleiterscheinung dieses Krieges) kaum hinein'* zerren lassen. Dagegen sind sie mit in den Strudel der Niederbruchs- Sentimentalität gerissen, das heisst: jenes geistigen und seelischen Zu- Stands, in dem man sich nur zu leicht dazu verleiten lässt, die Dinge des Tages und der Zeit weniger durch den Spiegel der kühlen Erwägung, als durch den einer von Leidenschaft, Stimmung, Gedankenlosigkeit getrübten Mentalität zu beschauen. Nur so ist es denn auch zu erklären, dassi sie denen auf den Leim gokroch en sind, die seit mehr als 8 Monaten aus uralten Gesangbüchern das Klagelied von der starken Anteilnahme der Juden an revolutionären Erhebungen herausgesucht haben und' es nun gassenhauermässig aller Welt vorplärren, bis alle Welt es gedankenlos mitsingt, nachsingt. Läge der Verlauf und der Erfolg der Revohition klar vor aller Augen und wüssten wir, zu wessen Gunsten diese gewaltige Umwälzung über kurz oder lang einmal enden wird, so könnte m%n vielleicht sagen: aha! die klugen Juden treiben Revolutions-Opportunismus; sie schlagen sich bei Zeiten auf die Seite derer, denen der Sieg winkt. Und daraus? allerdings würden berechtigte Vonviirfe herzuleiten sein. Aber liegen denn dk Bing^ so? Sind schon für die in den vorderen Linien der Revolution kämpfenden Juden viel Lorbeeren, vief reino Freudecn zu holen gewesen?