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Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-10 · Heft 21 (10.8.1919) · p. Seite 464

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 21 (10.8.1919)
Article
Schamvolle Reue und kühner Entschluss
Date
1919-08-10
Page
Seite 464 (sequence 5)
Language
German
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Pinthus hält eine sehr gedankenreiche Rede für die Zukunft Der Mensch soll sein Leben, sein Schicksal nicht mehr wie bisher, durch die Vergangenheit bestimmen lassen, sondern durch die Zukunft. Der Mensch Hess sich durch die Entdeckungen seines Geistes beherrschen, statt durch sie zu herrschen {der Marxismlus sieht die ..Sache ej# Wenig anders an. Und doch kann der dogmenfreie Marxist mit Pinthus gehen, er muss nur etwas; transponieren.) Es war. Gebrauch, aus der ausserimensäiHclien Natur Gesetze abzuziehen, die alsbald in Beziehung zum Menschen selbst gebracht wurden: die Erdgeissel, das Imperialistenfeigenblatt des soziologischen Pseudodanvinismus. „Das .BewUsstsein, vom Affen, abzustammen, schien dem [Menschen wichtiger, als der Wille, Gott zu v/erden." In Zukunft soll der Mensch sich einzig (?) von der Idee beherrschen lassen. Die Revolution ist der Kampf der Idee gegen die Nicht-Idee! — Die bewegenden Kräfte sind des Menschen grösster Feind, sie hemmen die Bewegung des Geistes. Die „Gott''-Natur ist unser einiger Gegner. Die „Wiridichkeit" (Staat, Wirtschaft, Gesehschalt) schuf der ° Mensch sich zu seiner Erleichterung und — sie wurde sein Herr, (wie sein „Gott"). Es gibt nur eine Gegenwehr: die Beseitigung der Wirklichkeit! Aul die Freiheit des Geistes kommt es an, denn die „Wirklichkeit" ist nicht ausser uns, sondern in uns. „Die Verkündigungen der Ideen durch Männer des Geistes erzielten von jeher grössere Wirfeungen und Änderungen in der Menschheit als alle Anstrengungen der Politiker und alle Reden der Parlamentarier." „Wir müssen bewusst mit hämmernder Faust an den Schlaf der Weit rühren, um menschenwürdig, frei und glücklich in der 'Zukunft leben zu können, die unser Ziel *£nd unsere Heimat ist." Dieser Äntidctenninismus, diese „Freiheit der Geister" (und „Freiheit des Willens") erscheint mir als? Postulat zur Ergänzung des richtig verstandenen Soziallsmus notwendig, als neuer „religiöser Kultus", diesmal aber zu stolzbewusster Beherrschung der „Wirklichkeit" statt zu ., ilirer furchtsamen Beeinflussung durch1 Gebet und Opfer ((Nietzsche: „Der Smn des religiösen Kultus ist, die Natur zu menschlichem Vorteil zu bestimmen und zu bannen, also ihr eine Gesetzlichkeit einzuprägen, die sie von vornherein nicht hat,- während! in der jetzigen Zeit man die Gesetzlichkeit der Natur erkennen will, um sich in sie zu schicken."). Die auf dieser Welt auf fassung basierte „Tugend" steht auch höher als die empirisch-kirchlich fundierte: „Wahre Tugend ist unabhängig von aller, und unverträglich mit befohlener und auf Autorität geglaubter Religion" (W. v. iHumboldt). Aber das alles ist richtig zu verstehen, soll es keine Albernheit bedeuten. Mag C. F. Meyer sprechen: „Wir Toten . . . Wir pflügten das Feld mit geduldigen Taten, Ihr schwinget die Sichel und schneidet die Saaten. Und' was wir vollendet und was wir begonnen, Das füllt noch dort oben die rauschenden Bronnen. Und was wir an gültigen Sätzen gefunden, Dran bleibt alier irdische Wandel gebunden. Die Vergangenheit wird immer da sein, sie liefert die innere Reibung In unserer Zukunftsarbeit. Die Abhandlungen zur Kunst unterstreichen die voluniaristische Religiosität. Rudolf Kayser zeigt die Verbindungsfäden zur Romantik und deren entschlossene Uebcrwindung: die neuen Dichter sind religiös, doch ihre Religiosität ist nicht Weltabkehr, sondern Bekenntnis zu einer realen Idee, ihre Rettung ist der Mitmensch, die befreiende Tat geschieht aus" Liebe, in der Heimat des Geistes, der Gemeinschaft. Ihr Gott stellt sucht Rätsel, sondern Aufgaben. Matthias will die Bildung zum heroischen Optimisten, der die Zeit braucht, da die Menschen zu ändern smd, K&zvsi&uxn durch Wiedererweckung des Platonischen Dramas, das,

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