Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 21 (10.8.1919)
- Article
- Judaeo-Polonia
- Date
- 1919-08-10
- Page
- Seite 459 (sequence 6)
- Language
- German
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457 erstes Heft der Zeitung „Odiydzcnie Polski" („Entjudung Polens") herausgegeben und die ganz geheim kolportiert wurde. Die Broschüre schildert im allgemeinen a.ie Vorwürfe gegen die Juden, die in den nächsten Heftern zu beweisen wären, Vorwürfe, die nun in jeder antisemitischen Schundliteratur finden kann. Neue Gedanken findet man in der ganzen Broschüre nicht und die meisten Absätze sind von den älteren polnischen Antisemiten (wie Stasz.ic) abgeschrieben. Nach den Ausführungen des Verfassers, der sich wohlweislich hütet, seinen Namen zu nennen, sind die Juden die „ärgsten Individuen", die das ganze polnische Nationalleben besudeln, beschmutzen; sie politisieren und . verhetzen die Masse::, lenken sie von jedweder Arbeit 'ab, um1 daraus für sich wirtschaftliche Vorteile zu ziehen. Sie nützen alles für sich aus und wollen aus Feien ein „Judenland" machen, zu diesem Zwecke tilgon sie alles echt polnische Katholische aus und demoralisieren das gesamte Gesellschaftsleben. „Das Judentum in unseren Landen war allmächtig, und wir Polen lebten nur von Lieferungen für sie an Zwiebel, Knoblauch und' Gänseschmalz — als Beweis, dass wir ihre Sklaven — Gojim — sind/*' An einer anderen Stelle heisst es: „Das Judentum fügt uns immer mehr Wunden zu und sticht mit den Stacheln seiner niedrigen Seele, wie z. B. mit der Forderung einer kulturellen Jargonautonomie in unserem Vaterlande, mit* eigenen jargw*- schulexi; sie verlangen, dass „Jargon" eine nationale, der polnischen gleichberechtigte Sprache sei; sie verlangen, dass wir mit unserem Hab uad Gut vor allem zugunsten der jüdischen Geldgier und Separierungsgel&ie arbeiten und uns abrackern; das Judentum zeigt Absichten, sichln Poka? fest niederzulassen, separiert sich, drängt sich überall hinein und träumt auf den Ruinen des vernichteten polnischen Volkes ein „Neujudäa" autzurichten." Diese Angst einer „Jiidaeopofonia" ist nicht neu, schon in früheren Jahren wurde der polniscnen Gesellschaft dieser, man muss sagen, wahnwitzige Gedanke sugeriert. Der Pseudohistoriker Marylsiu hat ins Jahre 1914 in einem quasi wissenschaftlich angelegten Buche „Dzieje sprawy iydowskcej w Polsce" zu beweisen gesucht, dass jüdische Historiker stets das althistorische Polen unter das Joch „Judäas" bringen wollen, Die Angst vor „Judaeopolonia" beherrscht durchweg sein Werk, das eigentlich nur ein schändliches Machwerk ist. Was das eigentliche Ziel dieser neuen Strömung in der polnischen* Gesellschaft ist, erfahren wir aus den folgenden Sätzen: „Was die Zionismen mit ihrem marktschreierischen Patriotismus und ihrer Literatur nicht zu vollführen vermögen (Judenansiedlung in Palästina), wird unsere polnische Aktion durchführen. Diese Aktion verfolgt das Zief, in den polnischen Ländern solche Lebensbedingungen für die Juden zu schaffen, dass sie direkt gezwungen werden, unser Vaterland zu verlassen und irgendwohin zu übersiedeln. Wir wollen nicht unser Vaterland mit den Juden teilen, mit diesem Artikel (Juden!) handein und krämezn wir nicht, wir sind fest überzeugt, dass unsere Aktion dank ihrer gut organisierten Selbstwehr, den Juden die Härte dieser Lebensbedingungen derart zu spüren geben wird, dass sie selbst gezwungen sein werden, von uns wegzugehen, in welcher Richtung, auf welche V/eise, ist uns gleich, nur dass unser Land enijudet wird/' Solche Perspektiven eröffnete — uns Juden — die neue polnische Organisation. Die in dieser Broschüre, wie auch im Flugblatt „Legton rzetelnycb practwniköw dla lepszej propzdösei Poiskügo Narodu i jego Ojczyzny" (Legion ehrlicher Mitarbeiter für die bessere Zukunft des polnischen Volkes und seines Vaterlandes") vorgebrachten Vorwürfe obskurster Art zu widerlegen, finden wir unseres Volkes unwürdig.