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Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-10 · Heft 21 (10.8.1919) · p. Seite 458

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 21 (10.8.1919)
Article
Judaeo-Polonia
Date
1919-08-10
Page
Seite 458 (sequence 5)
Language
German
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456 Zeit der Russeninvasion zu. Waren aber die Oesterreicher wiederum in Galizien, so scheute Dr. Hupka nicht, die Juden als Russenfreunde hinzustellen. So gemeine und1 bestialische Formen hat die polnische Antiseraitenpolitik angenommen. „Beilis" wurde-der neue „Hep - Hep -s Ruf, mit dem die verhetzten Massen in Warschau die Juden Deschimpften. Pokmia — paradisus? Judaeorum (!) schaute ruhig diesen Greueltaten zu und ihre Kinder jauchzten, ob des grossen Leides, das sie den „infideles" zufügen konnten. '4. Den Höhepunkt erreichte aber die polnische antisemitische Hochflut in den letzten zwei Jahren, Oer Biester Friede 1918 ward die Veranlassung, Chelm —»das S'gnal zu neuen Judenhetzen, als ob wir Juden daran schuld wären, als ob wir dm Grafen C z e r n i n, der wohl von uns abhängig war (welche naive Ironie), dazu verleitet hätten. . ja, polnische Zeitungen waren kindisch genug, eine Nachricht zu bringen, dass ein gewisser Jude Ellenberg dem Czernin das Ukrainer und Cheimprojekt ausgearbeitet hätte (!) und Graf Czernin soll es akzeptiert haben Sind die Polen so naiv oder hallen sie die Welt zum Narren, solche Märchen als glaubwjgiidig, |5a iseFöst authentisch hinzustellen? Für Chelm sollten eben die Juden den Sünüenbock liefern. ' Für Chelm sollte den Juden mit Pogromen heimgezahlt werden, Für Chelm sollten die kleinen armseligen jüdischen Krämer, Kaufleute in Krakau, Przemys!, Wieliczka und in anderen Gauen Altpolens gelegenen Städtchen geprügelt, ausgeplündert werden. Welchen Zusammenhang hatten die Juden mit Chelm? Aber wozu den Zusammenhang suchen, Chelm war nur ein Rufzeichen •mm Kampfe gegen die Juden, uns auf die aufgepeitschten Nerven der Volksmassen, die die Chehner Frage aufgerüttelt hatte, besser wirken zu ■ können. Chelm war eben ein Schlagwort für die neue Bewegung geworden. „Wer einen Hals hat, soll schreien; wer Ohren hat, soll hören: Polen soll entjudei werden, denn darin ist unser Heil" Schaffung geeigneter Organisationen; die die „Selbstwehr" gegen das Judentum ' zum Ziele haben, lautete die neue Devise im polnischen Volke. Eine, wie es scheint:, stark verzweigte Organisation mit den Zentralem In Lublin, Warschau. Krakau und Lemberg suchte in. diesem Geiste . zu wirken und das polnische katholische Volk aufzuklären, wie gefährlich das Juäziztumy das „zum wahren Blutegel, Parasit und einem am polnischen Nationalkörper gewachsenen Buckel geworden. „Worte", die eigentlich schoß S t a s z i c im 18. Jahrhundert im Munde geführt hat. Die Prostcstversammlungen gegen Brest-Litowsk wurden zur Verteilung der neuen geistigen Produkte dieser Organisation benutzt, um desto wirkungsvoller aultreten zu können. In Lemberg ist es gelungen, ein . Exemplar dieser geistigen Literaturprpdukte, die ein gewisser Geistlicher .Z. Luczynskä mit von ihm persönlich geschriebenen Empfehlungen verbreiten Hess, aufzufinden. Polnische Zeitungen sogenannter Richtung posaunten in die Welt hinaus, dass diese ganze Entjudungsaktion von einer „schwarzen Hand" ivatesr den Auspizien Berlins geleitet werde. Die Leiter dieser Aktion aber beteuern selbst wie folgt: „Volksgenossen! helft uns bei der nationafpolnischen Aktion mit der Devise: „ohne Juden". In diesem Appell und in dieser Bitte, die an die polnische Gesellsdiare gerichtet ist, wolle das Judentum nun eine kurze Antwort -auf die zahlreichen Artikel u. dt. „die schwarze Hand" entgegennehmen. Die Kauptbrosdiurc dieser Organisation ist die Flugschrift: „Akcya pokkn ogöhto-narodowz z hasdetn obehodzic sig bez Zydöw" („Die allgemeine polnische Aktion mit der Devise: wirtschaften ohne Juden") als-

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