Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 21 (10.8.1919)
- Article
- Judaeo-Polonia
- Date
- 1919-08-10
- Page
- Seite 460 (sequence 7)
- Language
- German
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Der Toji, der in diesen Schriften vorherrschte, war nur darauf he- >; redinet, in den Volksmassen eine Pogromstimrnung wachzurufen. Ent- \ luden wollten sie Polen und bedenken nicht, wieviel Kräfte die Judenheit; feiens Wirtschaft und Kulturleben gewidmet hat.! Entjudcn wollten sie Polen, nacht, weil die Juden als Menschen so ■ sdhlzdht sind, nein, sagen wir es: offen gerade heraus, weil die Juden; flsren Erwartungen, einer völligen Assimilation , (in kultureller und wirt- \ schaftlicher Hinsicht), an das Polenium nicht entsprochen haben. Der Misserfolg der polnischen imperialistischen Nationalpolitik an jder Judenheit hat sie zur Entjudungsbewegung geführt. Der aufkeimende jüdische Nationalismus ist eben der Dorn in ihren , i/V^ea Polen, das in alten 'Zeiten ein „Paxadisus Judaeorum" iru sein hräkiitc, verspricht nun, ein Land zu werden, — was uns achon im 18. - Jahrhundert gedroht hatte —, wo unser Volk »so erniedrigt wird und in ''solch einer Armut lebt, wo der Jude vom Schwindel leben oder Hungers j sterben lmuss. Polen ist nicht das Land des Goldes, sondern das der Hölle.8) 5. Die „polnische Aktion" erntete reichlich Früchte. Auf den Trümmern der Mittelmächte erstand „Neupolen" •— und kaum, dass das junge Staatswesen in sich (konsolidiert wurde — brachen; schon Pogrome, Judenausschreitungen los. Die geheime Organisation zur Entjudung Polens hatte glänzend ihre Vorbereitungsarbeiten geleistet. Sie ' sah Erfolge — Lemberg, Krakau, Rzeszow, WielicZka, Wilna, Pinsk sind i Glanzpunkte ihrer Arbeit. Die verhetzten Massen folgten ihrem Rufe mit blindem Gehorsam!■ md selbst die Intelligenz schenkte ihrem Rufe willig ihr Gehör. Die Pressci Scistete ihr gerne den Schergendienst. Und da sollen die Pogrome eine Folgeerscheinung des Krieges sein? " Hein, sie sind das Ergebnis einer, systematisch und zielbewusst organisierten. Verlietzungspölitik, die nur die polnisch-jüdische Verständigung erschwert. Wir hoffen aber noch immer, dass vernünftige Elemente unter den Polen sich aufraffen werden, um das polnische Volk von dem politischen Parasitismus abzulenken und das Judenvolk, das keinesfalls zum Handlanger polrascher Machtpolitik werden will und seiner eigenen Nationalwürde selbstfeewusst als eme gleichberechtigte Nation anerkennen werden, die über das nationale Ich nach eigenem Willen entscheiden; will. Selbst Drohungen einer Enijudungspolitik wurden uns von unseren berechtigten nationalen Forderungen nach einem freien Sichausleben nicht abhalten. Wir sind' eine Nation und haben das Recht, als Volk frei zu leben \mä unsere alte Nationalkultur zu pflegen — diese historische Wahrheit müssen auch die Polen endlich einmal erkennen. Cives Poloni Naüones Jud'aei ist die heutige politische Losung der polnischen Judenheit. Schamvolle- Reue und kühner Entschluss Von Prof. PauE Oestreich, Berlin Tfn Alfred Wolfe n st ein's „Jahrbuch für neue Dichtung und \ Wertung'*: Die Erhebung*) finden wir diese Sätze des toten < JGustav Landauer: „Heute, am 18. Oktober 1918, weiss ich und wissen manche mit mir, dass dem deutschen Volke in der Stunde der Not nichts fehlt ab dieser Schwung und dieses Band des Metanocin, das in Erhöhung, in Grösse, in Edelmut, im Neuen und Unerhörten, in der Uebenvültigung scliamvoller Reue und kühnen Entschlusses den Zwang zum eigenen Willen, die Schmach zur Herrlichkeit, die Sdhuld zum Stachel ugg die Auggtossung zum Völkerbund machen könnte und müsste. Bei 3) Rozmowa migeizy szlachcicem, Szwaycarem y Zydem. Danzig 17G.0, S. 14. b *) 5. Fischer, Verlag, Berlin 1919. Preis geb. 8 Mk.