Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 21 (10.8.1919)
- Article
- Judaeo-Polonia
- Date
- 1919-08-10
- Page
- Seite 456 (sequence 3)
- Language
- German
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:454 tattert Naruszewicz aus. Er nennt sie BlutegeJ, die dank ihrer Faulheit den Rest de9 Landesvermögens aussaugen. Diese Bewegung sdieint auf die Massen, — ob tischt .durch Predigten der Geistlichen be- •cmüüsst? —, ziemlich stark eingewirkt zu haben". Jvdenexzesse sind st? diesem Zeitalter keine Seltenheit „Letzten Sonntag entstand! in hiesiger Hauptstadt ein Aufstand von -seaten crer SChneldergesellen, zu welchen sich bald eine Menge anderer Handwerksleute geschlagen hatte. Ihre Absicht war, die vielen alLhier befindlichen Juden, über deren Nahrungstrieb sich die handelnde und geringere Bürgerschaft schon lange «beschwerte, aus Warschau mit Gewalt zu vzrteoibzxil ■ Das ausgestreute Gerücht, als ob ein christlicher Schneidermeister von den Juden misshandeit worden wäre, gab den ersten Anlass zum frevelhaftesten Tumult, den das vermischte Volk bis zur Einschlagung der Fenster, Erbrechung, sogar bis zur Plünderung ihrer Waren gegen 3—4 Stunden Tang am hellen Tage g^triQbmf bi s e nd l i c h (die Polizei- Wacher« durch die königlichen Hulanen und durch einen grossen Teil des übrigen in Warschau liegenden Militärs unterstützt wurden und den rasen- •deia Pöbel, zu zerstreuen vermögend waren." So der Bericht des österreichischen Gesandten in Warschau, E. v. Cache, vom 19. Mai 1791. i Und1 wäre nicht das Datum 1791, bei Gott, man könnte glauben, dass hier über Judenexzesse in Krakau, Rzeszow u. a. anno 1919 berichtet wird.; 2. / Jahrzehnte gehen dahin, die Juden erstreben ihre Gleichberechtigung als Menschen, die nur bei völligem Verzicht auf ihren völkischen Charakter, zu erreichen ist wie es allgemein ihre schon assimilierte Oberschicht glaubte. Parallel dazu treten in der polnischen Gesellschaft pro- und antijüdische Strömungen auf, je nachdem es die mpfrtfentane politische Konstellation; erheischt. Im allgemeinen wurde der Jude, — von dem zwar schon im "Jahre 1791 Johann Erich Biester sagte, dass sie den Polen „den inneren Handel, ein bisschen Gewerbe, Geldgeschäfte und andere Wirtschaftszweige erhalten, manch ein nützliches Hjandjwierk, manch eine gute Institution eingeführt haben und dem Lande grosse Vorteile bringe4) trotzalledem auch weiterhin gehasst. Es nahten die Jahre 1857, 1859, die in der Geschichte des polnischen Anti- und Asemitismus einen Markstein bilden. In Türk veranstaltet die polnische Bevölkerung eine Judenhetze, weil die Synagoge, im Zentrum der Stadt steht Am Jom-Kippur fanden diese Exzesse statt: die Bevölkerung wart in die Synagoge Steine, zwang die Juden zum Verlassen der Synagoge und) drang in dieselbe ein, hier vernichtete und zieris9 sie in barbarischer Art die Thoraroiien. Diese Exzesse wiederholten sich einige Tage hindureih. Anders ist aber die Sache im Jahre 1859. In diesem Jahre konzertierte in Warschau die böhmische Violinvirtuos in Wilhelrnina Nerud'a. Das Konzert blieb unbesucht; hierauf schrieb .... , „ ...........— —spräche. Der Artikelscorejiber schmähte und bedrohte die Juden. Dies gab das Zeichen zum Sturm gegen sie. An der Spitze dieser judenfeindlächen Bewegung stand der Redakteur Lesznov/sk i. und In scharfen Artikeln und Pamphleten wurden die Juden als Ausbeuter S&uiGlinge Polens hingestellt. , - t A},Si$c JPeilje Abhandlung „Ausländer über polnische Juden im 18 J&nrhundert", die demnächst erscheint.