Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 21 (10.8.1919)
- Article
- Jüdische Politik
- Date
- 1919-08-10
- Page
- Seite 452 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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V Es ist-ein alter. Vorwurf von zionistischer Seite, dem man die ■^Berechtigung ' nicht immer absprechen konnte, dass -grosse Teile der Judenheft. siVn ihr Verhalten auch in rein jüdischen Fragen von der Rücksicht auf die Umwelt diktieren lassen. Die Wendung der zionistischen Politik'im Kriege wird erwiesen haben, dass man auch auf der Gegenseite ganz erheblich sündigt. Und über den Ausgang darf man sich keiner Täuschung hingeben. Es hat noch nie Segen gegeben, wenn das Judentum sich in die grosse Politik gemischt hat, und alle politischen Palästinaunternehmungen, deren es in verschiedenster Gestalt in der jüdischen Geschichte nicht wenige gegeben hat, sind zusammengebrochen. Das deutsche Judentum sollte sich also nicht beeinflussen iund verwirren lassen. Nicht Palästina p o 1 i t i k ist von nöten, sondern Palästina a rb e i t! Das Land besiedeln, armen Menschen eine neue Existenz schaffen, der religiösen Gelehrsamkeit neue Bildungsstätten schaffen, sind gewiss herrliche Aufgaben. Die Form des Staatswesens, die Amtssprache, die kulturelle Zukunft und anderes mehr mag man getrost der natürlichen Entwicklung überlassen. Mehr peinlich als ergötzlich berührt es, wenn beispielsweise die „unentwegten" Vertreter der Theorien sich in ellenlangen Untersuchungen und heftigen Polemiken die Köpfe darüber zerschlagen, ob Palästina kapitalistisch oder sozialistisch sein werde!!! Nur kopfschüttelnd kann man ein solches v/eltfremdes Treiben betrachten. England wird uns alle nicht fragen, und Aufgabe/ der Mehrheit der deutschen Juden muss sein, sich vom Einfluss blendender Schlagworte zu befreien, und in bisher bewährten Bahnen für das heilige Land, das ein religiöses Heiligtum jedes echten Juden ist und bleibt, praktische Arbeit zu leisten. IV. Volk oder Religionsgemeinschaft Besonders verwirrend wirkt es, wenn manche Kreise der nicht zionistischen judenheit sich anschicken, die zionistische Terminologie zu .missbrauchen und von dem jüdischen Volke zu reden. Begriffe wie Volk und Nation sind umlaufende Werte, die gewisserjs?43sen ihren „Börsenkurs" haben. Wenn historisch ungebildete Anhänger "des" nationaljüdischen Idee triumphierend verkünden» dass noch Mendelssohn und Abraham Geiger von einer jüdischen „Nation" gesprochen haben, so dürfen sie nicht vergessen, dass es damals, auch eine katholische und protestantische Nation gab. Was die Bibel unter Volk verstanden hat, ist für die Politik von .heute ganz gleichgültig. Es kommt nur darauf an, was in unserer Zeit mit diesem Worte gemeint wird. Und da die Welt und mit Ihr der Zionismus unter Volk eine Gemeinschaft mit eigenem Land, eigener Sprache, eigener Kultur und eigener Politik versteht, sollten wir uns sorgsam hüten, einem anders gearteten Zusammenhange diese Bezeichnung zu verleihen. Klarheit ist hier um so dringender von nöten, als die grosse Mehrheit der deutschen Juden den Volksbegriff ablehnen muss. Es sei