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Neue jüdische Monatshefte · 1919-08-10 · Heft 21 (10.8.1919) · p. Seite 447

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 21 (10.8.1919)
Article
Jüdische Politik
Date
1919-08-10
Page
Seite 447 (sequence 3)
Language
German
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445 Stimme für die jüdischen Forderungen erheben sollte. Kaum hatten es die Nichtzionisten. gehört, so fürchteten sie, man werde ihnen mit dieser Parole wirksam entgegenarbeiten und schrien auch nach dem Kongress, feilschten um die Grundlage, ob das Bekenntnis zum jüdischen Volke erforderlich sei oder nicht, und als sie „gesiegt" halten, wussten sie eigentlich nicht recht, was sie "mit der Siegestrophäe anfangen sollten, und begannen sie zu „bearbeiten". Die Siegesbeute war eben in Wahrheit nur das Wort „Kongress", denn was seinen Inhalt anbetrifft, so müssen beide Teile aneinander vorbeireden. Die Zionisten wollten, dass das Gesamtjudentum als politischer Faktor in der Welt auftrete, dass es als reale Wirklichkeitsmacht Palästina,'(nationale Autonomie in den NiederlassunIsländern und Gleichberechtigung fordere. Wir Nichtzionisten können solchen Kongress nicht mitmachen, ohne uns selber zu verleugnen. Abgesehen davon, dass wir zwischen der zweiten und dritten Forderung einen unlösbaren Widerspruch erblicken, setzt ein Kongress dieser Art, ob nationales Bekenntnis Bedingung der Wahlbeteiligung ist oder nicht, die Anerkennung voraus, dass die Juden ein Volk im Sinne der übrigen Völker von heute sind. Dass wir im übrigen minder wichtige Einwände haben, wie beispielsweise den, dass der Kongress, dem ja hlder jede Macht fehlt, nur unfruchtbare Diskussionen, Dekla;- mationen und Resolutionen bringen, und dass er viel zu spät zusammentreten werde, sei nur nebenher erwähnt. Wir haben eben ganz andere, weit praktischere Sorgen. Uns erdrückt "die Fülle der deutschen Judenprobleme, die Trennung von Staat und Kirche, die Aufhebung des obligatorischen Religionsunterrichts, die Demokratisierung der Gemeindeverfassung, die künftige Gesamtorganisation, das sind die Fragen, die wir auf einem deutschen Jtidentage der Lösung näher führen müssen. Gewiss werden wir nichts dagegen haben, wenn solche Judentage, die in den einzelnen Landern zusammentreten, sich schliesslich in irgend einer Form vereinigen und unsere gemeinsamen religiösen und sittlichen — keineswegs aber politischen — Forderungen auf gleiches Recht und Religionsfreiheit der Kulturwelt unterbreiten. Aber Iässt sich das mit dem nationaljüdischen Plan vergleichen? Wir nannten das nun auch — „Kongress", und das seltsame, in diesem Zusammenhange aber verständliche Begehren konnte sich regen, von dem Wahlrecht zum „Kongress" die ausländischen Juden auszuschalten. Ich meine nun persönlich, dass auch zu einem deutschen Judentage, der doch religiöse Dinge erörtern soll, der ansässige Ausländer Wahlrecht haben müsse. Der Gedanke an einen Ausschluss lasst sich aber überhaupt nurfür eine solche Veranstaltung verstehen, für einen Weltkongress im nationaljüdischen Sinne wäre er ganz unsinnig. Im Interesse der politischen Klarheit muss das alles festgestellt werden. Schweren Herzens haben die Zionisten auf ihre Forderung 'des Bekenntnisses zum jüdischen Volke als Orundlagc verzichtet. Es ist das eigentlich zu bedauern, denn damit ist die Verwirrung erst auf den

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