Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Die Bibel als methaphysisches Dokument
- Date
- 1919-07-10
- Page
- Seite 436 (sequence 5)
- Language
- German
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434 wie nur das Christentum nodipdas vorläufige Judentum, das Christentum, das man als ein Judentum der Not und der Notwendigkeit bezeichnen könnte. Es ist das sogenannte „Vierer-Buch". (Anm. Verlag: Walter Marggraf, Breslau 1912). Ich schlage irgend Pas!sendes zum gewaltigen Thema von Ja und Nein der Welt auf, das Kapitel „Rohitasso". Rohitasso, „ein himmlischer Oeist, vor Schönheit strahlend" begibt sich zum Erhabenen, zum Buddha, der gerade im Jetahaine bei Savatthi, im Kloster des Anathapindiko weilt. Er fragt den Erhabenen: „Ist man wohl imstande, o Herr, durch Gehen das Ende der Welt zu kennen, zu sehen oder zu erreichen, da wo es weder Geburt gibt, noch Altern und Sterben, weder Entstehen noch Vergehen?" Nach' kürzeren Antworten gibt ihm der Buddha die entgiltige: „Wahrlich, nicht ist man imstande, o Bruder, — das sage ich — durch Gehen das Ende der Welt zu kennen, zu sehen .oder zu erreichen, da wo es v/eder Geburt gibt, noch Aitern und Sterben, weder Entstehen noch Vergehen. Doch nicht kann man, o Bruder, — das sage ich — ohne der Welt Ende erreicht zu haben, dem Leiden ein Ende machen. Das aber verkünde ich, o Bruder: in eben diesem sechs Fuss hohen mit Wahrnehmung und Bewusstsein behafteten Körper, da ist die Welt enthalten, der Welt Entstehung, der Welt Ende und der zu der Welt Ende führende Pfad. Durch Gehen kann man nie gelangen Bis an das Ende dieser Welt. Doch ohne das Ende zu erreichen, Wird man das Leiden nimmer los. Der Weise drum, der Weltbekenner, Der Heilige, der das Ende erreichte, Der Stillgewordene, das Ende schauend, Giert nicht nach dieser, nicht nach jener Welt/1 Hier ist das Gegenteil vom Ki-tauw, — in der grossartig mathematisch-logischen Weise des Buddhisten ausgesagt: niemand kann dem ■ Leiden der Welt ein Ende machen. Das Leiden* es ist da, wo Welt ist. Und niemand kann durch Gehen oder durch sonst was das Ende der Weit erreichen. Und die "Welt, — sie ist gänzlich in uns enthalten, ihre Entstehung, ihr Dasein, — aber auch: der Welt Ende und der zu ihm führende Pfad. Hat man das Ende durch Innerlichkeit und den rechteiv-Weg erreicht, dann ist man — stillgeworden. Nicht gierend mehr nach dieser oder jener Welt, nicht gierend mehr nach Diesseits, nicht nach Jenseits. Nicht gierend mehr — nach Welt. Welche Tiefe und Weite des Denkens, — wie sie niemals jüdisches Denken gewagt hatl Und dennoch: — einseitig, — düster, — eben in einem engen, wenn auch' tiefen Winkel des Seins träumend und wollend. Denn unrechten Wünschen gibt es keine Gier, gibt es kein unredliches Verlangen, gibt es fast, so kann man sagen, kein rechtes Wün-