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Neue jüdische Monatshefte · 1919-07-10 · Heft 19-20 (10.7.1919) · p. Seite 435

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 19-20 (10.7.1919)
Article
Die Bibel als methaphysisches Dokument
Date
1919-07-10
Page
Seite 435 (sequence 4)
Language
German
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433 Kurz: die tiefsten Fragen werden aufgerührt, und mit Recht. Das heutige Gehirn ist weiter als das ältere Menschenhirn. Offenbarung ist anderer Natur als vor Zeiten. Warum sollte Offenbarung aufhören? Wenn aber Offenbarung ewig ist, muss sie auch — fortschreiten, niuss sie: ewig neu sein. Und so sind alle Fragen von nöten. Sie sind schwer zu beantworten, aber sie sind ins dem Masse zu beantworten, wie unser Denken und Fühlen sich aufwärts entwickelt hat. Hier fallen endlich klar und gross — Philosophie und Religion zusammen. Die ursprünglich tatsächlich Eines sind und sein sollen. — Der Hebräer hat keine besondere Verbalwurzel für „Werden". Und so können wir erst recht, wo es darauf ankommt, „j'hi" mit „es. sei" übersetzen. „Und Gott sprach: es sei LichtI Und da war Licht". „Lind Gott sah das Licht, dass es gut war". Die Geburt der Weltbejahung, die Geburt des Optimismus. Flieht, alle Verneiner und Vernichter, — weint um eure Schwäche, — denn nur Schwäche, Denken in einem geringen, wenn auch tiefen Winkel des Seins, ist eure Verneinung und Verfinsterung des Lebens. Stärke ist: Bejahung! Kampf über dem alltäglichen nichtssagenden Kampf! Handeln und Nichthandeln zugleich! Handeln mit eigenen natürlichen Kräften und Begabungen und zu, gleicher Zeit Nidithandeln, das heisst Nicht-Entgegentreten dem Geschick, der Zeit Nichthandeln, das heisst Nicht-Entgegentreten dem Geschick, der Gottheit. Heiligpreisung der Tat und Heiligpreisung Gottes. Demut, Demut, — aber nur vor dem Herrn, dem „Unkulunkulu", dem Gross- Grossen, wie ein Ausdruck der Wilden den Allschöpfcr bezeichnet. (Wo gab es eine Menschheit, eine "kleine oder eine grosse, die nicht zu Gott und Gottheit gelangt wäre! Aber was ist heute Gott und Gottheit?! „Der Name Gottes ist heute wieder unbekannt und versiegelt. Die Tat allein hebt das Siegel", heisst es in der letzten kleinen Schrift Bubers, dem ersten Hefte seiner „Worte an die Zeit". Wie wahr ist das! Versuchen wir also, wir, Wenigen, nicht mehr Gläubigen, sondern Wissenden, — versuchen wir es also mit der „Tat", mit dem "Worte, welches Tat sein möge, um den Namen Gottes, des Gross-Grossen, ins Licht zu heben, ihn zu entsiegeln!) Das grosse Ja der Welt, das Ki-tauw, das muss der Menschheit wieder in Erinnerung gebracht werden. Und mit ihm alles Helle und Schöne, alles Redliche und Selbstverständliche, alle Gemeinschaft, aller Gegensatz gegen Mönchstum und Hauslosigkeit, — ohne Philistcrei, ohne Kleinbürgerlichkeit, ohne alle nationale Not und Enge, — das grosse wunderbare Ja der Welt und der Weltordnung, das grosse Ki-tauw! IV. Ich nehme ein buddhistisches Dokument zur Hand, eine Verkündung des Nein, des Nicht, des Nicht-Lebens, des Verzichtens, des trüben, innig-zornigen Ernstes, das Dokument einer Religion, die Hunderte von Millionen zu ihren Bekenner« zählt. Einer Religion, ausgebreitet,

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