Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Die Bibel als methaphysisches Dokument
- Date
- 1919-07-10
- Page
- Seite 434 (sequence 3)
- Language
- German
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432 heraus. Weil wir jemals über dje Wahrheit der Dauerschöpfung: der Welt tilnsmgelangen werden. Gott wiederholt ewig- und in jedem Moment Idas Schöpfungswerk. Da kommt es nicht darauf an, ob etwas zuerst oder zuletzt geschaffenist. Der einfache Gedankengang1 in unserem Schöpfungsbericht ist allerdings folgender: am Anfang schuf Gott das •Allgemeine der Welt, die beiden Hauptteile' des Ganzen. Das Feste und das Lose, — Himmel Und Erde. (Auf „die Wasser" des zweiten Verses kommen wir bei Besprechimg des zweiten Schöpfungstages zurück.) [Mit Himmel und1 Erde war die Grundskala geschaffen, — eine Skalas überhaupt. Nun lese man noch einmal die ersten beiden Abschnitte des bereits zitierten**) Rigveda-Gesanges, und sman wird begreifen, welche eigentliche Schöpfungstatsache mit. der Festsetzung der beiden Hauptelemente aller Schöpfung, mit der Festsetzung fder Zw/eiheit, vollzogen war. Der Inder war sich dieser Bedeutung hoch bewusst, darum setzt er klar auseinander, was vor der Schöpfung noch nicht vorhanden war, tmd w}as mit ihr, mit der „Umschaffung", wie er sich später ausdrückt^ eigentlich begann. . Weder Nichtseiendes, noch Seiendes, weder Luftraum noch Himmelsraum, weder Wasser noch Festes, weder Tod noch Unsterblichkeit, weder Finsternis noch Lichtghnz — war. „Es atmete hauchlos (ohne „Ruach") durch Selbstsetzung jenes Eine, denn ein anderes ausser {hm/ welcher Arft es auch sei, war nicht vorhanden." Mit Himmel tmd Erde, diesen beiden Ursymbolen aller'Weltexistenz, war zunächst das Eine aufgehoben. Nun gab es — Trennung". Nun konnte geordnet werden. Nun können, wie es im chinesischen Schöpfungszitat h^dsst9 „Aenderung und Wandlung ihren Weg knefimen". Und die erste Aenderung und Wandlung der zu allererst geschaffenen Zweiheit von Himmel und1 Erde, man kann sagen: ihre erste »Modifizierung, ward: zur Schöpfung von Tag und Nacht. III. Zu „fhi aur": Man übersetzt es, unseren Ausführungen entsprechend, besser mit „es sei" als „es werde". „Es werde" beansprucht einen Zeitraum, einen Zwischenraum zwischen Wort und Plan Gottes und dem Objekt des Planes. In „es sei" ist, da es dem göttlichen Willen entspringt, Plan und Schöpfung Eines. Dieses ist göttlichem Tun gemässer als Schöpfung in bereits vorhandener Zeit, ~ die beim< Werden vorausgesetzt werden muss. Man sieht: wir sind mitten im Mysterium der Gottestat. Da stdsst man auf Sdhritt und Tritt an. War Zeit vor der Schöpfung1? Fing die Zeit mit der Schöpfung) an? Ist Schöpfung überhaupt zeitlich? Ist sie ewig'? Ist göttlicher Plan identisch mit göttlicher Tat? Ist' göttliche Tat materieller Natur? Ist Materie göttlich? Stehen Stoff und Gott in dauerndem Zusammenhang? Wenn die Schöpfung Dauertat ist, ist.diese Dauertat wandelbar? Verwandelt sich demnach die Schöpfung? Das heisst: vollzieht sich der dauernde Schöpfungsprozess auch noch in der £eit? Ist er vollendet? Bedeutet dauernder Schöpfungsprozess: Verwandlung: der Welt zu Höheren? Da Stoff nur Ausfiuss Gottes ist, rwie verhält es sich mit dem Raum?