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Neue jüdische Monatshefte · 1919-07-10 · Heft 19-20 (10.7.1919) · p. Seite 431

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 19-20 (10.7.1919)
Article
Philos Bedeutung für die abendländische Geistesgeschichte
Date
1919-07-10
Page
Seite 431 (sequence 6)
Language
German
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429 vermehren lediglich die Stufen, die beide verbinden, bilden die Begriffe zu einer grösseren Schärfe und' Präzision aus, suchen sie methodisch aus einander hervorgehen zu lassen, führen auch Begriffe ein, die bei Philo fehlen, durchlaufen den Weg sowohl im Abstieg wie im Aufstieg in verschiedenen "Bedeutungen, kommen so zu einer grösseren Systematik und entfalten einen grösseren Scharfsinn, aber die Grundkonzeption ist und bleibt philonisch. Ob. nun Plotin zwischen Gott und Materie anstelle des -Logos den Geist und die Seele und die Natur einschiebt, ob Jamblich noch eine Reihe von Göttern zur Ueberbrükkung der Kluft herbeiruft, ob Proclus gar noch den Geist und die Seele und jede einzelne Stufen in Triaden spaltet: Es bleibt ein Weg, der Abstieg, in dem die Welt geschaffen wird, und ein Aufstieg, der den Menschen erlöst. n Dasselbe Schema finden wir!in dem ebenfalls von Philo ausstrahlenden jüdisch-religionsplülosopliischen Strom, der in der jüdischen Gnosis auflebt, dann für längere Zeit verschwunden ist und erst in Isaak Israeli (10. Jahrh.), Ihn. Gabirol (11, Jahrhundert), in der Pariser Handschrift vom Wesen der Seele (11.—12. Jahrhundert), Josef ben Saddik (gest, 1199) und in der Kabbala wieder zum Vorschein kommt. In der Kabbala werden aus den Stufen, die zwischen Gott als dem Grenzenlosen, Unendlichen, Unbestimmten, Nichts und der Materie venniitcln, Welten und zwar die Welt Azilah oder der Sephiroth, die Welt der Zahlen, Formen, Lichtkreise, die den Thron Gottes umgeben, weiter die Welt Beriah, die Welt der himmlischen Sphären, Seelen und Enge3 und endlich die Welt Assijah, die Welt der materiellen Dinge; auch hier führt der Wiederaufstieg zu der Vereinigung des Menschen mit Gott. Am unbestrittensten ist der Zusammenhang Philos mit der christlichen Religionsphilosophie. Zv/iar können wir der These, die einst JE. Havet (Le christianisme et ses origines. 2 ed. Paris 1873) und Bruno Bauer (Der Ursprung des Christentums aus dem römischen Griechentum, Berlin 1S77), nach denen Philo und Seneca die eigentlichen Stifter des Christentums -waren, nicht mehr zustimmen; aber dennoch ist im Christentum eine Reihe von Denkern vorhanden, die im philonischen Schema denkt. Da ist zunächst de/ Verfasser des Johannesevangeliums, der zwischen Gott und Welt den Logos setzt, der im Anfang bei Gott und selbst Gott war, da sind die Gnostjker, die das philonische Schema mit phantastischen Begriffen erfüllen, da ist Justin, da ist Clemens von Alexandrien und der grösste unter Ihne*:, der Zeitgenosse Plotins.und <ier Vater der griechisch-katholischen Kirche, Origenes. Auch sein Denken bewegt sich in dem Schema des Abstiegs und Wiederaufstiegs. Bei ihm folgt wie bei Philo auf Gott der Logos, der mit der Weisheit identisch is|t, auf den Logos aber der heilige Geist, dann die Seele, die Welt, die Materie, die hier von Gott selbst erzeugt wird; auch ihm ist der Wiederaufstieg zu Gott, di-a Wiederbringung aller Dinge zur Einheit mit Gott, sittlich-religiöse Aufgabe, Auf Gregor von Nyssa und A u g u s t i n und weiter auf

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