Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-07-10 · Heft 19-20 (10.7.1919) · p. Seite 430

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 19-20 (10.7.1919)
Article
Philos Bedeutung für die abendländische Geistesgeschichte
Date
1919-07-10
Page
Seite 430 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908749-2911982--2597-2912029
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

428 ■ x Begriff Gottes, des Logos), fclsi des Iiibegriffs der Ideen, und der Materie. Der Aufstieg von der 'Materie zu Gott durchlauft dieselben Stufen wie der Abstieg und 9st hier ethisch-religiöser Natur. Solange der Mensch m die Materie verstrickt!Sst, ist er böse, gut Scanner nur werden, indem er Qott ähnlich wird, Sndem er alles nur aus Rücksacht auf Gott tut. Nicht aus sich . kann der Mensch gut werden, sondern nur durch Teilnahme am Leben Gottes!, d. h. hier am Leben des Ljogos. Djer Logos als die Weltverfassung umschliesst zugleich die sittliche Weltverfassüng und gibt einem jeden das iihm Gebührende. Aber der Aufstieg führt noch über die Welt des Logos, in dem die Tugenden in ihrer reinen* Form existieren, hinaus. Die Schau Gottes ist das Ziel der religiösen Sehnsucht Phiios, der Mensch soll sich mit Gott vereinen, indem er sich selbst aufgibt rund! indem sich Qott ihm offenbart; die Sphäre des Verstandes massigen Erkennens überschreitet er dadurch, dass er über die Ideen und den Logos hinaufdringt zum eigentlichen Leben Gottes. Oann trägt er nicht nur den Gesandten Gottes, sondern Gott selbst in sich und wird aus einem Sohn des Logos ein Sohn Gottes und hält feist dem 'Logos, der Ibislang serji Führer war, gleichen Schritt Das jedoch ist nur imi -Zustand der Ekstase zu erreichen. Das endliche Sc 1 bstbevrnsstsein muss erlös chejn, der Mensch muss sich ganz der Gottheit hingebem, wm selbst Gott zu werden. Wenn Du am Göttlichen teilnehmen willst, so sagt er, so musst Du nicht bloss den Leib, die sinnliche Wahrnehmung und die Rede verlassen, sondern auch aus Dir selbst musst Du in prophetischer Begeisterung, in einer Art korybaniischen Wahnsinns heraustreten, es - muss Dir sein wie einem sprach3- und bewusstlosein Kind. Jeder Mensch kann diese Stufe der Prophetie ersteigen, jeder Weise und Tugendhafte ist ein Prophet. Indem so der religiös-ethische Aufstieg einmündet-in die Anschauung Gottes und in die ekstatische Mystik, überschreitet Philo wieder das klare Bewusstsein des Prophetismus und des Piatonismus und wird der Vater der mittelalterlichen Mystik. Darin also haben wir die historische Bedeutimg des Philanismus zu erkennen, dass er den Piatonismas zum alexandrinischen Weltschema umbildet. Dies beruht auf dem doppelten Durchlaufen einer Reihe: absteigend von Gott zur Materie wird die Welt geschaffen, wieder aufsteigend von der Materie zu Gott wird der Mensch erlöst. So wenig Philo die Gedanken in der systematir sehen Form, wie ich sie vorgetragen habe, dargestellt hat, so unverkennbar ist er doch der, Vater dieses Weltschemas, in dem mehr als ein Jahrtausend gedacht hat. So wird Philo nicht nur der Begründer des Neuplatonismus, sondern auch der Urheber einer jüdisch- und einer tlirisilich-religionsphilosophischein Reihe. Darin beruht seine epochale Bedeutung. / Philo ist der Begründer desi Neuplatonismus, der seinen ersten Höhepunkt im System des Plotln findet und sich dann über Porphyr, Jamblich, Proclus, Damascius bis ins 6. Jahrhundert und durch Eindringen in die allgemeine Geisteskultur noch viel weiter erstreckt. Diese Denker geben nur Variationen des philonischen Grundschemas, Ihr ganzes Räsonnieren bewegt sich zwischen den Polen Gott und Materie, sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.