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Neue jüdische Monatshefte · 1919-07-10 · Heft 19-20 (10.7.1919) · p. Seite 432

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 19-20 (10.7.1919)
Article
Philos Bedeutung für die abendländische Geistesgeschichte
Date
1919-07-10
Page
Seite 432 (sequence 7)
Language
German
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430 ^Dionysius Areopagita und die späteren Denker, die dieser Reihe angehören, wirken zugleich die eigentlichen Neupiatoniken .Ebenso wirkt der Philonismus indirekt durch den späteren Neuplatojiismus' auf die arabische Kultur. Das alexandrinische Gedankenschema liegt der Theologie des Aristoteles, der Lehre des-Bundes der Lauteren und' dem Sufismus zugrunde, die sachlichen Weiterbildungen sind freilich unbedeutend. Kurz, die ganze frühmittelalterliche Philosophie ist durchzogen von Haupt Strömungen, denen das Schema des philonischen Piatonismus als Fundament dient, und diese Strömungen sind mit dem frühen Mittelalter keijneswegs abgeschlossen, sondern erstrecken sich durch das späte Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit. Es dürfte also sehr wohl die Begründung dafür zu geben sein, dass Philo eine Epoche der menschlichen Geistesgeschichte begründet. - Hermann Cohen wollte von Philo nichts wissen, für ihn war er ein Urheber der Verwirrung und der Ablenkung von dem klaren Wege des, Prophetismus und des Piatonismus; wenn er im Buche der Geschichte blätterte, so überschlug er mehr als ein Jahrtausend, indem er Von Plato und Aristoteles zu Nikolaus von Cusa und zu Descartes sprang. Als Historiker aber haben wir zunächst festzustellen und dann erst zu werten. Wenn auch für die Entwicklung des Judentums Philo eine mehr negative Bedeutung hat, indem er in eine Sackgasse führt, die nicht weiter zu gehen ist, so hat Jdoch aifidh durch ihn das Judentum auf die abendländische Kultur gewirkt, seine ethische Gesinnung, sein Rationalismus ist doch der Logos zugleich die ratio, die Vernunft —- seine religiöse Inbrunst und sein Gottesbegriff sind Zeugen dafür. Wa;s insbesondere die beiden letzten Punkte betrifft, so hat durch ihn wohl der jüdische Gott und die jüdische Frömmigkeit auf das Abendland gewirkt, aber beide, indem sie bis zu einem Punkte «entwickelt werden, an dem sie ihren spezifisch jüdischen Charalc- , ter abstreifen,. Das ist das Tragische bei fast allen jüdischen Denkern, die auf die europäische «Kultur einen tieferen Einfluss ausgeübt haben, dass sie ihr- Bestes 'leisten, indem sie sich selbst überschreiten. Die Bibel als methaphysisches Dokument Von Arno Nadel, Berlin IL nd Gott sprach": die Geburt des Wortes! Und Gott spricht — das ist schon: er schafft. Hier, im Schöpfungswerk, das Sprechen — anders als überall das göttliche Sprechen. .Hier, wie gesagt: schaffen. Wort und Tat ist Eines. (Später spricht Gott, — wie ein Mensch. Er befiehlt, er entgegnet, er zürnt) Wort und Tat, aber auch Tat und Wort: Eines. Hinter dem Worte sind Dinge. Die Worte sind — Dinge, sini „Möglichkeiten", wie der Chinese sich ausdrückt. „Worte sindi doch kein blosser Hauch! — Wohin soll denn der Sinn des Daseins gehcta, so dass er zu existieren aufhörte? Wie können denn Worte überhaupt existieren, während sie eine Unmöglichkeit enthalten", heisst

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