Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Philos Bedeutung für die abendländische Geistesgeschichte
- Date
- 1919-07-10
- Page
- Seite 429 (sequence 4)
- Language
- German
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427 frnischung, zu der noch der orientalische Begriff des Lichtgottes hinzutritt, wurde für die weitere Entwicklung hochbedeutsani. Dieser Gott schafft also zunächst die übersinnliche Welt der Ideen, was einen Fortschritt über Piaton hinaus bedeutet, denn der platonische Bemiurg schaut beim Schaffen nur auf d$e Ideen, die außerhalb seiner existieren. Hier aber werden die Ideen hinaufgezogen zu Gott, sie werden die Gedanken Gottes, die wirkenden Ursachen und Kräfte, durch die Gott in der Welt wirkt, durch die er Ordnung in die untergeordneten Stufen bringt und durch die er einem jeden Ding seine Eigentümlichkeit einprägen lässt; feie sind die unzerreissbaren Bänder, die der Ewige durch die Welt spannt, von dem Griechen wurden sje Dämonen, von Moses Engel genannt. Die Ideen sind Kräfte, die von Gott ausstrahlen und in den unermesslichen Raum einströmen. ^Dieser Begriff der Ideen als der Gedanken und Kräfte Gottes wurde durch Philo der herrschende jm frühen Mittelalter. Die Ideen als Kräfte sind Teilkräfte der göttlichen allgemeinen .Vernunft, sie sind die Logoi des einen göttlichen Logos. Bei Plato wurden die Ideen durch den Begriff der inteiligiblen Welt, hier werden sie durch "den Begriff des Logos zusammengefasst. Der Logos ist die Idee, die alleJdeen, die Kraft, die alle Kräfte in sich befasst, er ist der Stellvertreter und Gesandte Gottes, der Dolmetscher., der Erzengel, er ist das Werkzeug, durch das Gott die Welt schafft bind ist zugleich der Vertreter der Welt bei Gott, der Hohepriester. Er ist der erstgeborene Sohn Gottes*, ja er wird gar ein T^vfeifcr Gott genannt. Er ist Urbifd1 und Mass der Dinge, oberste alles in sich befassende Gattung, das Band, das die Teile der Welt verknüpft, das ewige Gesetz Gottes, welches vom einen Ende der Welt bis zum anderen gespannt ist, welches sie trägt, bewegt und zusammenhält, er ist inden^ tisch mit der Weisheit (Sophia). Der philonische Logosbegriff fliesst zusammen aus «dem jüdischen Begriff der Weisheit und des Wortes Gottes, aus dem griechischen, insbesondere stoischen Begriff des Logos als des Weltgesetzes, und dem orientalischen Begriff des Lichtlogos, Indem die Ideen im Begriff des Logos zu einer Einheit verknüpft werden- Vuiid so der Logos zwischen; Gott ur\d W-elt tritt, wird das Problem eines Mittlers zwischen Gott und Welt in einer Weite und Tiefe aufgerollt, die einem Jahrtausend Stoff zum Nachdenken gaben. Hier haben alle Versuche angeknüpft, die sich um eine Immanentisierung Gottes in die Welt, um eine Vereinigung des Göttlichen mit dem Menschlichen abmühten. Der* jüdische Transzendentismus freilich ist durch diese Hei- Ienisierung, äie zu einem zweiten Gotte führt, überschritten, das ist vorchristliches Christentum, die Reinheit 'des Monotheismus ist aufgehoben. Der Logos ist der 'Mittler zwischen Gott und Materie. Die Materie steht Gott als ein zweites gegenüber, sie ist nicht aus Gott abgeleitet. Sie ist rein passive, ungeformte, qualitätslose, leblose, unbewegte, nidaseiende Masse, die mit sich selbst im Kampf liegt. Si£ ist fähig, alles zu werden, ist das bedürftige, dunkle, stoffliche Substrat, genau wie (bei Plato. Den platonischen Begriffen der Materie, der Idee und des Absoluten entsprechen also bei 'Philo in umgekehrter Reihenfolge der