Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Philos Bedeutung für die abendländische Geistesgeschichte
- Date
- 1919-07-10
- Page
- Seite 428 (sequence 3)
- Language
- German
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426 das der Ideen als »das des wahrhaften Seins, "und die ganze Sehnsucht des platonischen Herzeais ist (auf diesen Aufstiegzum wahrhaften Sein gerichtet, alle Wissenschaften sollen dieser Emporführung zu den Ideen uxiä besonders zur nächsten Idee^ der Idee desi Guten, dienen. Das Reich der Ideen wird •nämlfch verankert in einer höchsten Idee, die jenseits der anderen wie;d{e Sonjne allem! Seienden Licht und Lieben gibt, indem sie selbst jenseits des Seins steht, es an Kraft und Würde uberragend: das isft dias Gute oder das Absolute. Diese drei Begriffe, die Materie, die Idee, das Absolute sind die Grundprinzipien der platonischen Philesophie. Der Piatonismus ist der Art nach1, wie er auf Philo wirkte, Flucht aus dieser Welt in ein bessieres Jenseits; was wir hiesiicden sehen, ist das Schattenreich, wahrhaftes Sein gibt es nur, insofern sich die Reinheit der Form hinabsenkt in diese Welt, das wahrhafte Sein aber liegt Im transzendenten 'Reich der Form, und der Ursprung dieses5 Reichte ist das Absolute als djas Gute. Der Platonismtis, der alles in allem mehr Intuition als System ist, entsteht als Aufstieg aus dieser &Velt, das Problem des Wiederabstiegs zum Diesseits kommt erst in zweiter Linie. Die Hauptbedeutung des Phiionismus besteht darin, dass er dieses Verhältnis umkehrt. Für Philo Jist der Abstieg vom Absoluten, das mit Gott identisch wird, das erste und muss das erste werden, weil für ihn gemäss seiner überlieferten Religion Gk>tt das erste ist und von sieb aus die Welt erschafft, während der Grieche von der Welt ausgeht und von der Welt aus rücks'chliessend zu den Ideen und von den Ideen zum Absoluten kommt. Indem Philo in seiner Schrift über die Weltschöpfung eine Auslegung der mosaischen Lehre gibt, mischen sich in merkwürdiger Weise die jüdischen und hellenischen Gedanken. Er bestreitet die Zeitlichkeit der Schöpfungstätigkeit und des Schöpfungsaktes und will daher die wörtliche Auffassung der mosaischen Schöpfungstage nicht zugeben, die Aufeinanderfolge der einzelnen Schöpjhtngsakte soll nicht als Zeitfolge gefasst werden, sondern es wurde alles zugleich geschaffen, aber es besteht ein begreifliches Rangverhältnis unter dem Geschaffenen: So wurde vor der sinnlichen Welt die platonische intelligible Welt, der ixiteüigible iHintmel, die inteiligiblen Elemente, vor den Einzelwesen die allgemeinen Wesen geschaffen. So wird die Schöpfung ein Abstieg von Gott zur Materie, der seinen Weg über die platonische V/elt der Ideen nimmt und so vom Allgemeinen zum Besonderen hinabführt.; Dabei werden zugleich die platonischen Prinzipien umgebildet. Das platonische Absolute oder das Gute fliesst zusammen mit dem Begriff des ^inzigan Gottes. Der philonische Gottesbegriff enthält sowohl die platonischen wie idie judischen Grundbestimmungen. Er ist wie bei Plato d'as Allgemeinste, die alleinige Ursache, der jenseitige Grund!, das Urbild der Schönheit, unveränderlich, bleibend, erhaben über Raum ■und Zeit, das Absolute, das Gute, Vollkommene. Er ist wie im Judenftuan Persönlichkeit, gütig und mächtig, alles durchschauend, all'gegenfy&rtlg, seiend, gut, vollkommen, schlechthin einfach', reine Einheit; uniTocshar, kein Name kann ihm beigelegt werden. Gerade diese Begriffs-