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Neue jüdische Monatshefte · 1919-07-10 · Heft 19-20 (10.7.1919) · p. Seite 423

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 19-20 (10.7.1919)
Article
Die Hauptversammlung des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
Date
1919-07-10
Page
Seite 423 (sequence 6)
Language
German
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421 V. Nodh ein Wort über das Schicksal des Antrags Levin, über dessen Behandlung gleichfalls das „Jüdische Echo" irreführend berichtet. Prozessor Levin hatte folgende Entschliessung beantragt: „Grundgesetz jedes Rechtsstaates ist die staatsbürgerliche Gleichberechtigung jedes Bürgers unabhängig von Religion oder Abstammung. Der C.-V. wird daher Jeden Versuch, aus dem Bekenntnis der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk eine Beeinträchtigung der vollen staatsbürgerlichen Gleichberechtigung deutscher Juden her. zuleiten, auf das entschiedenste bekämpfen." Gewiss, die beiden Absätze, obwohl durch „daher" verknüpft, widersprechen einander. Denn der offizielle deutsche Zionismus sieht im Bekenntnis zum jüdischen Volk nicht nur ein Bekenntnis zu gemeinschaftlicher Religion oder Abstammung,' sondern zu einer politischen Gemeinschaft, und es war durchaus richtig, wenn Sonnenfeld diese Inkorrektheit der Formulierung Levins rügte. Dennoch war es nicht notwendig, mit der Begründung, dass der Volksbegriff widerspruchsvoll sei, über die Resolution zur Tagesordnung überzugehen. Man hätte sie annehmen sollen unter Protest. gegen die Politisierung des Begriffs ^jüdisches Volk". Wie kann aber Glogauer berichten, dass die Versammlung den Antrag Levin abgelehnt hat! Hat doch Dr. Wert - heim bei der Begründung des motivierten Uebergangs zur Tagesordnung, — ein himmelweiter Unterschied vom einfachen Uebergang — nachdrücklichst betont, dieser Uebergang enthalte keine Ablehnung, sondern die Erklärung eines „non liquet". Der ganze gewaltige Entrüstungsaufwand des „Jüdischen Echo" fällt daher in sich zusammen. VI. Kein Wort bringen endlich die zionistischen Versammlungsreferate .über das „neue Programm des C.-V.". Der ganze gewaltige Komplex innerjüdischer Fragen ist in ihm enthalten. Unter Aufrechterhaiiung der religiösen Grundlage des Judentums vertritt es die Forderungen der Verbreitung jüdischen Wissens, jüdischen Selbstbewusstseins, jüdischer Sozial- und Wirtschaftspolitik. Mit seiner grundsätzlichen Annahme — die Formulierung im Einzelnen bleibt einer Redaktionskommission überlassen — hat die Versammlung sich dazu bekannt, dass nur dann ein siegreicher Kampf für das Judentum geleistet werden kann, wenn im Herzen der Kämpfer das Ideal, für das sie streiten, festgewurzelt ist und wenn sie nicht nur dem Namen nach, sondern dem lebendigen Sinn nach Juden sein wollen. Ein unendlich bedeutsames Geschehnis, das aber an Herrn Klötzel spurlos vorübergegangen zu sein scheint, wenn er sich zu dem Satz versteigt, der C.-V. lasse sich „in ein Fahrwasser drängen,, das nicht gut anders als eine Abwehr positiven Judentums bezeichnet werden kann."

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