Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Die Hauptversammlung des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1919-07-10
- Page
- Seite 422 (sequence 5)
- Language
- German
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420 zweideutig ausgesprochen, dass er, «ein Sammelbecken aller derjenigen sein will, die sich im Gegensatz wissen zu jeder nationaljüdischen Forderung" und Ologauer wagt es angesichts dieses Votums für Fiuchs zu behaupten, dass der C.-V. seinem Führer „die Gefolgschaft verweigert, wo dieser den grossen jüdischen Zusammenhängen einigersnassen gerecht zu werden ycrsudit." Ist das noch Referat oder ist es Zweckdichtung? In Wahrheit liegt die Sache bezüglich des jüdischen Aussenprogramms wie folgt: Der Vorstand hatte dasselbe als zweiten iTdl in das neue „Programm" hineinbringen wollen hinter den innerdeutschen ersten Teil, hatte also die Beschäftigung mit diesen Aussenfragen als Teil der Vereinsarbeit des C.-V. angesehen wissen wollen. Diese Erweiterung der Vereinsaufgaben hat die Mehrheit der Delegierten abgelehnt, nidht weil sie die aussenpolitischen Forderungen selbst nicht teilten (vielleicht mit Ausnahme der Autonomiefrage, bei der einige dissentierten), sondern aus Zuständigkeitsgründen. Die Vereinsarbeit als solche soll sich auf Deutschland beschränken, die Fuchs-Lichtheim-Kohnschen 'Aussenforderungen aber sind auch die der Mitglieder des Zentralvereins. Sie sind es einmal, wo die Mitglieder als Einzelne in Betracht kommen, sie sind es auch, wo der C.-V. nicht eigene Vereinsarbeit leistet, sondern Vertreter der nichtzionistisdhen Juden ist, beim Kongresse. Die Nichtaufnahme der Aussenforderungen in das Vereinsprogramm hat nichts zu tun mit der Formulierung des Kongressprogramms. Schon bei der ersten „Besprechung zwischen C.-V. und Vorstand der zionistischen Vereinigung war darüber Einigkeit erzielt, dass jdie 6 Punkte auf das Kongressprqgramm zu rücken seien, und kein Widerspruch hat sich auf der Hauptversammlung dagegen erhoben. IV. Das führt zu der Stellungnahme zum Kongress selber. Auch hier waltet wieder die eigentümliche Berichtsmethode ob, Referent, Korreferent und alle Redner bis auf drei haben, zum Teil sogar mit grosser Wärme^ der Kongressidee grundsätzlich zugestimmt und dem Vorstand weitgehendste Vollmacht zur Ausgestaltung der Einzelheiten gegeben. Das nennt Herr Klötzel „leidenschaftliche Ablehnung des Kongressgedankens durch den; grössten Teil der Delegierten!" Ein einziges vom zionistischen Standpunkt erhebliches Bedenken waltete ob, das Wahlrecht der Ausländer. Aber auch hierin — als wenn überhaupt je dieser eine Zwiespalt den allgemeinen Kongress zum Scheitern bringen könnte! —, hat -man schliesslich die Vollmacht des Vorstandes nicht beschränkt; im Gegenteil, sogar Dr. Wert he im, der unbedingte Bekämpf er des Ausländerwahlrechts, hat in seinem Schlusswort die Möglichkeit einer taktischen Einigung offengelassen. Was bedeutet aber dieser eine Differenzpunkt jgegen den überwältigenden grundsätzlichen Sieg der Kongressidee, gegen die einmütige-Billigung des gemeinschaftlichen Aussenprogramms. Es ist ein unermesslicher Schritt vorwärts, und es ist mir völlig rätseihaft, zu wess Ende gerade die Väter der Kongressidee diesen Schritt verkleinem. Schaudert ihnen etwa plötzlich vor ihrem eigenen Kinde?