Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Die Hauptversammlung des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1919-07-10
- Page
- Seite 421 (sequence 4)
- Language
- German
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419 Diese Agitation geht vor sich, und da ist man entsetzt, wenn ihr der Verein entgegentritt, dessen Lebensarbeit sie angreift. Der C.-V. ist gegründet worden und arbeitet in zähem treuem Wirken daran, auf Grund einer Synthese von Judentum und Deutschtum den Antisemitismus zu überwinden. Hier ist nicht der Ort nachzuweisen, dass dieser Weg der der jüdischen Geschichte und dem Religionsgesetz allein entsprechende, dass er die logische und historische Folge der Emanzipation in Deutschland ist. Ob richtig, ob falsch, es ist seit 27 fahren der Weg des C-V. Nun kommt die national-jüdische Theorie von der Ueberwindung des Antisemitismus durch Antithese von Judentum und Deutschtum, durch Aufrichtung: zum mindesten eines geistig - kulturellen Ghettos, — das sichtbare zeichnet sich in der Gartenstadt- und Settleinentbewegung schon deutlich ab. Und da soll der O.-V. schweigen und zusehen, wie mait lächelnd niederreisst, wofür seine Besten ihr Bestes gegeben haben? Der Kampf des C.-V. gegen die Nationalisierung der deutschen Juden ist für ihn ein Lebenskampf, ihm aufgedrungen und aufgezwungen, nicht leichtherzig aus der Luft gegriffen. Und so wichtig, so lebensnotwendig ihm sein Lebenswerk, so gewiss muss er diesen Kampf durchführen. Das musste einmal gesagt werden, um das schmähliche Gerede derjenigen niederzuschlagen, die sich teils der wehmütigen Schmerzens-, maske des angegriffenen jüdischen Bruders bedienen, noch häufiger aber die deutschen Juden glauben machen wollen, der C.-V. gehe gegen den jüdischen Nationalismus nu;* aus überspannt zu Schau getragenen deutschen Zweckpatriotismus an. „Eigentlich könnte sich der C.-V. als jüdische Abteilung des alldeutschen Verbandes etablieren" (Glogauer im Jüd. Echo). Nichts ist unwahrer. Wären die Centralvereinler wirklich einseitig „deutschnational", so würden sie wohl nicht seit Jahren gegen alle Träger des Alldeutschtums einen erbitterten Kampf zu führen brauchen, sondern um „die kranke Seele des Central Vereinsjuden" (so Glogauer) zu heilen, gäbe es ja dann den viel leichteren iWeg: zum' Judentum hinaus! Nein, wir biedern uns mit dem Deutschtum nicht an aus» Ueber« ängstlichkeit oder Gefallsucht, sondern weil wir das Erbe der Väter wahren wollen, die das prophetische Gebot „besclr'Iaumoh jehjeh loelem schotaum" in die Tat umsetzen wollen, der Heimat geben, was ihr gebührt, ohne darum ein Fleckchen dessen im Innern aufgeben zu müssen, was das Judentum für sich beansprucht. Gewiss, die Debatte in der Hauptversammlung wandte sich scharf gegen das innerjüdische Programm der deutschen Zionistcn; namentlich die Redner aus dem Reich Hessen die ganze Erbitterung wiederklingen, die eine über jedes Mass und Ziel hinausgehende Agitationsweise lokaler Grössen der zionistischen Ortsgruppen in den Kampf der Weltanschauungen hineingetragen haben; — warum aber verschweigen denn sowohl Klötzel wie Glogauer die fast einstimmige Annahme der Resolution Sonnenfeld, die ausdrücklich die Stellungnahme von Geheimrat Fuchs als Mitglied der Sachverständigenkommission im Auswärtigen Amt billigte, also die wichtigen 6 Punkte des jüdischen Aussenprogramms guthicss. in denen sich Zionismus und C.-V. igeeinigt hatte? Kein Wort davon wird mitgeteilt, vielmehr weiss Klötzel zu berichten, der C.-V. hätte ,,un«