Neue jüdische Monatshefte
- Journal
- Neue jüdische Monatshefte
- Volume
- 1918-1919
- Issue
- Heft 19-20 (10.7.1919)
- Article
- Die Hauptversammlung des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1919-07-10
- Page
- Seite 420 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2908689-2908735-2908749-2911980--2583-2912019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
458 Aisdana jh'at die Versammlung noch das neue „Programm des C.-V." dardhbcraten (Refer. Fuehsi und Jos. Josephsthal-Nürnberg). Hierbei hat man die das innerdeutsche Programm bildenden Programmpunkte grundsätzlich gebilligt und ihre genaue Fassung einer Redaktionskommission .übertragen, die das Aussenprogramm enthaltenden Paragraphen aber, als über die Zuständigkeit des Vereins hinausgehend, fallen gelassen. Zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung ist zu bemerken: Holländers /Bericht gab mit dem in seiner Vielseitigkeit geradezu erdrückenden Material, das durch den sehr umfangreichen schriftlidhen Vorstandsbericht noch ergänzt wurde, nicht nur einen Bericht von dem Umfang der Abwehrarbeit, sondern er zeigte klar, wie kurzsichtig, wie verhängnisvoll geradezu die Doktrin ist, mit der die nationaljüdischen Gegner des C.-V. im Land herumarbeiten, dass es nämlich nur negative 'Arbeit gel, die der Verein leiste. Leistet der positivere Arbeit, der den Boden "festigt, das Grundwasser ableitet, die Fundamente legt oder der, der munter drauflos Innenarchitektur treibt, mag auch das Haus selbst, durch den; Platzregen unterwaschen, einstürzen?. Was Holländer über die Organisierung des Judenhasses in Deutschland vortrug, war erschütternd, und hätte denen;, jdie sich so gern die politischen Geschäftsführer des Judentums nennen, zeigen müssen, dass, wenn wir nicht alle Hand anlegen, schon darum bald keine „positive", „fortpflanzende" jüdische 'Arbeit mehr wird geleistet werden können, weil weder jüdische Lehrende noch jüdische Lernende mehr dasein werden. Wenn je eine Zeit die Notwendigkeit zielvoller, planmässiger Abwehrarbeit war, so ist es die unsrige. Es zeigt sich, dass diese Arbeit, um derentwillen der C.-V. gegründet wurde, nichtzur Vergangenheit gehört, sondern dass sie lebensnotwendige Gegenwarts- und für lange noch Zukunftsarbeit aller deutschen Juden darstellt. III. Berücksichtigt man dies, hält man es sich recht deutlich vor Augen, so ist mir das Entrüstungsgeschrei unbegreiflich, mit dem man im nationaljüdischen Blätterwald seit langem und neuerdings mit besonderer Energie die scharfe Stellungnahme des C.-V. gegen gewisse Teile der nationaljüdischen Arbeit begleitet Ist den Herren vielleicht bekannt, dass es im national jüdischen-^ Programmkomplex einen Punkt gibt, der „Ueberwindung des Antisemitismus" heisst, und der für wichtig .genug gehalten wird, dass der Generalsekretär der Zionistischen Vereinigung selbst, Kurt Blumen fei d1, sich ihm mit aller Kraft seiner Persönlichkeit hingibt? Seit Jahr und' Tag ziehen nationaljüdische Programmredner durchs Land und suchen darzutun, dass der C.-M. ein von Gmmd auf verfehltes Unternehmen sei, lehren die Unausrottbarkeit des Judenhasses, die Unmöglichkeit, ihm aufklärend, belehrend, bekämpfend entgegenzutreten, weil er, wenn auch nicht berechtigt, so doch aus der Verschiedenheit des Volksempfindens hinaus begreiflich sei, kurz predigen Resignation in Abwehr und Abwehrkampf mit dem Allheilmittel der Rückbildung der deutschen Juden zum Bewusstsein nationaler Minderheit im Hintergrund.