Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-25 · Heft 18 (25.6.1919) · p. Seite 386

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 18 (25.6.1919)
Article
Zwei Tagungen
Date
1919-06-25
Page
Seite 386 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2908689-2908735-2908748-2911933--2533-2911957
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kampf gegen dieses selbe Neutralitätsprinzip unterliegen muss gegenüber der von ihm geschaffenen Jugendbewegung, welche dieses Prinzip nicht um eines rein taktischen Erfolges willen aufgeben will. Am hellsten aber wurde die Situation dadurch erleuchtet, dass Dr. Apfel selbst es \var, tieir den Vorschlag machte, die Neutralität dadurch aufrecht zu erhalten, dass man gjäjmjtlidhe grossen Partei-Organisationen, und vor allen Dingen die Zionistische Vereinigung für Deutschland, aufforderte, ebenfalls Vertreter in den Vorstand des Jugendverbandes zu entsenden. Es ist sehr tnerkwüiWig', dass dieser Vorschlag, der allgemeinen Beifall fand, anscheinend von niemandem in seiner Tragweite voll erkannt worden ist. Mit einem Schlage ist jetzt die Neutralität des Jugend Verbandes aus einer passiven zw eilner .aktiven geworden. Während bisher diese Jugend ihr Neutralitätsprinzip dahin interpretiert hat, dass ihre Berater nur diejenigen Organisationen sein durften, die selbst in den Kampf der Parteien nicht eingriffen, scheint es ihr jetzt wertvoll, gerade diese Parteien zu hören« und sich von ihnen beraten zu lassen^ Vielleicht wird später einmal der Augenblick, in dem dieser Antrag angenommen wurde, als die Schicksalsstunde des Jugendverbandes bezeichnet werden;. Denn über eines muss man sich doch klar 'sein: Wenn man Parteien wie den Zionismus, die Orthodoxie, den Liberalismus und den anti-nationaljüdischen Zentralverein, die :' alle ihre eigene Jugendbewegung haben, fzu Beratern des Verbandes macht, so erkennt man damit ohne weiteres an, dass für Parteien ein Recht besteht, die Jugend in sehr früher Zeit bereits für sich zu reklamieren. Man kann dann nicht mehr sagen, dass die Parteilichkeit der Jugend verderblich ist, und man müsste sinngemäss darauf hinwirken, dass jeder Jugendliche in irgendeiner Weise jüdischle* .Parteizugehörigkeit erwirbt. Stellt sich der Jugendverband konsequent auf diesen Standpunkt, so wird er seine wesentliche Aufgabe nicht mehr darin erblicken, die Plattform abzugeben, auf der die Jugend ihr Judentum „objektiv" kennenlernt, sondern er wird für die Jugend das darstellen müssen, was der Kongress für die Erwachsenen werden soll: Eine parlamentarische Zusammenfassung der Parteien im Bewusstsein ihrer überparteilichen Zusammengehörigkeit zum Zwecke positiver jüdischer Arbeit. Dass der Willen zur Entscheidung gerade in den wichtigsten jüdischen Fragen bei dieser Jugend noch nicht stark genug ist, bewies die überaus schwache fumd unjugendliche Resolution zur Palästinafrage. „Es ist PfUcht jedes Juden, das Werden des jüdischen Palästina mit grösster Aufmerksamkeit zu verfolgen" — so.lautet diev Fassung, In der der Jugendverband alles das auszudrücken glaubt, was seine Verpflichtung gegenüber Palästina ausmacht. Dass eine Verpflichtung zur Aufmerksamkeit an sich eine Lächerlichkeit ist, schien keinem aufzufallen. Und dass die Versammlung es ablehnte, irgendwelche Teilnahmt, und sei sie auch noch so gering und verklausuliert, am! Wiederaufbau Palästinas zur moralischen Verpflichtung zu machen, Hess manche Hoffnung, die der Verlauf der Tagung erweckte, schliesslich wieder, verblassen!. Einjen nicht sehr jugendlichen Eindruck machte es auch, dass sich'der Delegiertentag die eigene Kongressresolution dadurch abschwächte, dass er es seinen Vertretern bei der Vorkonferenz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.