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Neue jüdische Monatshefte · 1919-06-25 · Heft 18 (25.6.1919) · p. Seite 387

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Journal
Neue jüdische Monatshefte
Volume
1918-1919
Issue
Heft 18 (25.6.1919)
Article
Zwei Tagungen
Date
1919-06-25
Page
Seite 387 (sequence 6)
Language
German
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385 zur Pflicht machte, dafür einzutreten, dass für Ausländer eine Karenzzeit eingeführt werden soll. Eine Entscheidung über das Schicksal des Verbandes steht noch aus. Die Lösung des! Konfliktes über (den Antrag Dr. Apfel, welche durch den geschickten Vorschlag des Kommerzienrats Stein erfolgte, der die Formulierung des Logen-Rituals zur Annahme empfahl, die auch bei Zionisten keinen Anstoss erregen könne*), bleibt ein Notbehelf. Nicht entschiedci!< ist die Frage über das Verhältnis des Jugendverbandes zum Zentralverein. Ehe hier nicht vollständige Klarheit eingetreten ist, darf nicht behauptet werden, dass die Krisis im Jugendverband überwunden sei. Die Tänzerin Debora**2) Von Sch. Gorelik, Berlin achdem ich ebensoviel Staub in den Strassen wie Rauch im Cafe geschluckt hatte, entschloss ich mich, die Mauern der ruhmreichen Stadt, der Heimat Jean Jaques, zu verlassen. Diese Absicht bestand bei mir ernst und entschieden, da ich miieh nach dem unvergleichlichen Ciarens sehnte. Ciarens hat die Eigenschaft aller schönen still-poetischen Orte: es zieht einem immer wieder unwiderstehlich zu ihm zurück. Kaum ist man für einige Tage forrgiereist, fühlt man bald, wie die ferne Landschaft, die zarten Konturen der^ Berge, vor allem aber der edle Zauber der Stille und die Durchsichtigkeit der Luft einen zu locken und rufen beginnen. Ich habe nie diese paradiesische Ecke am Ufer des Leman verlassen, ohne mich sofort zurückzusehnen. Wenn ich nichtsdestoweniger noch immer in Genf blieb, trotzdem ich1 mich bereits mehrmals von meinen Bekannten verabschiedet hatte, so lag der Grund immer an irgendwelchen Kleinigkeiten, an einer zufälligen Begegnung* an der Strassenecke mit demselben Bekannten, von dem ich eine Stunde vorher geschieden war. Ohne zu beachten, dass ich verreisen, dass er gerade irgendwo gehen wollte, zog dieser Bekannte mich ins Gespräch, das dann im Universitätsgarten weitergeführt und schliesslich in demselben Cafe Landolf fortgesetzt wurde, das wir vor einigere Stunden verlassen haben im Glauben, uns für lange Zeit zu trennen. Eines Tages war jedoch mein Entschloss abzureisen besonders fest, und dennoch blieb ich wieder einen weiteren Tag. Diesmal war der Grund- Wirklich schwerwiegend: die Tänzerin Debora. Wohl wusste ich seit jeher von der Existenz einer berühmten, lebensfreudigen Debora, jedem Bibelliebhaber genau so bekannt wie mir. Aber die, die im Genfer Kabaret von aller Welt bewundert wurde, kannte ich bis dahin nicht ' Uebrigens, es stimmt nicht, ich kannte sie sehr gut. Die Photographie in den Schaufenstern, wo Debora mit berückendem Lächeln ihre reichen, geschmackvollen Toiletten und' ihre eleganten Füsschen zeigte, zrcvrsges mein Gedächtnis intensiv und fieberhaft zu arbeiten. Gewiss, ich kannte *) Das Logen-Ritual fordert die Betätigung der Grundsätze reinsten Patriotismus.' **) Aus dem demnächst im .Jüdischen Verlag" erscheinenden Bucfe „Fünf Jahre im Lande Neutralien'*.

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